Die Nationalökonomie geriet nach dem Ersten Weltkrieg in eine tiefe Krise, die durch den Widerstreit zahlreicher Theorien, Meinungen und "Systeme" gekennzeichnet war. Nach dem Ende der bis dahin das Fach dominierenden Jüngeren Historischen Schule gelang es der Disziplin nicht, ein neues tragfähiges Paradigma zu entwickeln. Stattdessen präsentierte sie sich als eine tief zerstrittene Wissenschaft, die keine Antworten auf die drängenden ökonomischen Probleme der Zeit geben konnte. Roman Köster analysiert diese Krise. Er zeichnet die historische Lage, mit der die Nationalökonomie konfrontiert war ebenso nach wie die Versuche, die Krise zu überwinden, und er zeigt, warum diese Bemühungen während der Weimarer Jahre scheiterten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 26.01.2012
Jens Hacke kann die Dissertation von Roman Köster über die Wirtschaftswissenschaft in der Weimarer Republik gar nicht genug für Tiefgang, Kenntnisreichtum und kluge Analyse loben, und er fühlt sich gut informiert über die unterschiedlichen Strömungen der Nationalökonomie der Zeit. Den besonderen Vorzug dieser Studie sieht der Rezensent in der Verknüpfung von "wissenschaftshistorischen, methodischen und wirtschaftspolitischen Konfliktlagen". Der Autor legt verständlich und spannend die "großen Streitthemen" der Zeit dar und zeigt unter anderem, wie etwa Pioniere der sozialen Markwirtschaft wie Walter Eucken später ohne Schwierigkeiten auch im Nationalsozialismus weiter machen konnten, lobt Hacke. Ganz besonders gefesselt aber hat den Rezensenten Kösters Darlegung des Einflusses wirtschaftlicher Ideen auf politisches Handeln, und hier sieht der sehr eingenommene Rezensent auch das Potential des Buches, zur gegenwärtigen Krise etwas beizusteuern.
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