Rolf-Dieter Brinkmann
Westwärts 1 & 2
Erweiterte Neuausgabe

Rowohlt Verlag, Hamburg 2025
ISBN 9783498007744
Gebunden, 448 Seiten, 52,00 EUR
ISBN 9783498007744
Gebunden, 448 Seiten, 52,00 EUR
Klappentext
"Westwärts 1 & 2" wirkte im Mai 1975 wie ein Paukenschlag in der literarischen Öffentlichkeit: Es war die erste Publikation des Enfant terrible Brinkmann seit Jahren, und sie erschien wenige Tage nach dem Tod des Autors bei einem Verkehrsunfall. Seither hat dieser Lyrikband eine kanonische Stellung erlangt. Aber das Buch damals stellte eine verstümmelte Fassung dar: Der Autor hatte Kürzungen vornehmen, auf Gedichte und ein Nachwort verzichten müssen, erst 2005 erschien eine erweiterte Ausgabe. Zum 50. Todestag des Autors ist eine Entdeckung zu vermelden. Im Nachlass fanden sich zahlreiche weitere Gedichte, die für den Band vorgesehen waren. In einem Nachwort berichtet der Brinkmann-Biograf Michael Töteberg über die Funde. "Es ist ein subjektives Buch, ohne Rücksicht auf die herrschenden literarischen Konventionen und kann ebenso gut als ein zusammenhängendes Prosabuch, Gedichtbuch wie Essaybuch gelesen werden." Rolf Dieter Brinkmann
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 07.04.2025
Diese Neuauflage erlaubt zwar einen umfassenderen Blick auf Rolf Dieter Brinkmanns Hauptwerk, die definitive Edition liegt hier aber laut Rezensent Helmut Böttiger vermutlich noch nicht vor. Herausgeber Michael Töteberg steuert für den Band, erfahren wir, eine Rekonstruktion der Entstehungsgeschichte dieses nach Brinkmanns frühem Tod posthum erschienenen Bandes bei, außerdem druckt er 27 Gedichte aus dem Nachlass ab, die bisher unveröffentlicht waren. Böttiger hat den Eindruck, dass das noch nicht alles sein kann, erfreut sich jedoch bis auf weiteres an der aktuellen Ausgabe dieser an der schlichten Schönheit von Rockmusiktexten sich orientierenden Lyrik.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.03.2025
Eine "Sensation" ist die Neuauflage von Rolf Dieter Brinkmanns Lyrikband "Westwärts 1 & 2" nicht für Rezensent Christian Metz, trotz des Nachwortes von Brinkmann-Biograf Michael Töteberg und trotz der 26 darin erstmals publizierten, frisch aus dem Nachlass enthobenen Gedichte. Dennoch bietet die Lektüre, und gerade jene neuen, im Zusammenhang mit dem Ursprungsband entstandenen Gedichte einige "atemraubende" Leseerfahrungen und "aufschlussreiche Entdeckungen". Dass dieser hier neu aufgelegte Ursprungsband einer Fassung von 2005 entspricht, scheint folgerichtig. Enttäuscht ist der Rezensent allerdings vom Nachwort, welches sich ganz am Ende erst von Tötebergs Biografie unterscheidet und dann, gerade, als es interessant wird, abbricht. Dennoch lohnt sich die Lektüre, so Metz, aufgrund der einzigartigen "großartigen Lyrik", in deren Genuss wir hier erstmals kommen.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 27.02.2025
Rolf Dieter Brinkmann hat die Beat-Lyrik nach Deutschland gebracht, zu seinem 50. Todestag bringt Rowohlt eine Neuauflage seines epochemachenden Gedichtbandes "Westwärts 1&2", erklärt Rezensent Björn Hayer. Brinkmann zeichnet darin eine wohlstands- und werteverwahrloste Gesellschaft in ihrer "gespenstischen Gegenwart", ein immer noch lauernder Faschismus wird, wie die Schrecken des Kapitalismus, in chaotischen Kaskaden und doch genauen Beobachtungen geschildert, erklärt der Kritiker. So ist "ein Waldstück/abverreckt" und auch der "Mond ist/nichts als Dreck am Himmel", die Zeilensprünge kommen Hayer dabei sehr avantgardistisch vor. Die seltenen, aber deshalb umso herausragenderen, feinfühligen Gedichte, die sich Schönheit und Melancholie widmen, runden Hayer den Band ab und tragen dazu bei, dass er auch nach fünfzig Jahren lesenswert bleibt, wie er resümiert.
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 15.02.2025
Rezensent Helmut Böttiger bespricht in seiner Doppelkritik zwei Brinkmann-Bücher, die nun 50 Jahre nach dessen Tod erscheinen: Eine erweiterte Neuausgabe seines berühmten, ursprünglich 1975 erschienenen Gedichtbands "Westwärts 1 & 2", für die der Herausgeber Michael Töteberg nochmals 27 neue Gedichte ausgegraben hat und "minuziös" die komplizierte Entstehungsgeschichte nachzeichnet. Für den Kritiker sind das aber eher "spezielle" Philologen-Probleme; deutlich wichtiger für die Forschung scheint ihm die ebenfalls von Töteberg in Zusammenarbeit mit Alexandra Vasa herausgegebene Brinkmann-Biografie "Ich gehe in ein anderes Blau". Denn hier wird das Leben des Dichters grundlegend und materialreich aufgearbeitet, lobt Böttiger. So liest er gespannt von Brinkmanns aufmüpfiger, teils beleidigender Art, von seiner Beeinflussung durch amerikanische Popliteratur, aber auch seinem Ideal des Dichter-Genies, und ebenso vom schwierigen Verhältnis zu seiner Frau und seinem behinderten Sohn. Besonders imponiert dem Kritiker dabei, wie Töteberg und Vasa sich einerseits mit Urteilen zurückhalten, meist einfach das Material sprechen lassen, aber gleichzeitig doch eindeutig einem Brinkmann-Kult entgegenarbeiten. Wie hier auch Versäumnisse des Dichters herausgearbeitet werden, findet Böttiger "erhellend" - und staunt nur umso mehr, dass selbst diese überzeugende Dekonstruktionsarbeit der "geheimnisvollen" Wirkmacht der "Westwärts 1 & 2"-Gedichte keinen Abbruch tut.
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