Roland Barthes

Ich habe das Theater immer sehr geliebt, und dennoch gehe ich fast nie mehr hin

Schriften zum Theater
Cover: Ich habe das Theater immer sehr geliebt, und dennoch gehe ich fast nie mehr hin
Alexander Verlag, Berlin 2001
ISBN 9783895810633
Kartoniert, 347 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Jean-Loup Riviere. Aus dem Französischen von Dieter Hornig. In diesem Band ist eine Auswahl von zweiundfünfzig Texten über das Theater versammelt, die teils in der von Barthes mitbegründeten Theaterzeitschrift "Theatre populaire", teils in Zeitungen und Zeitschriften erschienen. Eine Sammlung seiner Texte zum Theater wollte er bereits seit Mitte der siebziger Jahre herausgeben, verschob dieses Vorhaben jedoch immer wieder auf später; nach seinem Unfalltod wurde die Veröffentlichung der Texte von verschiedenen Seiten mehrfach verhindert. Diese Auswahl - die der Herausgeber mit Barthes noch zu dessen Lebzeiten zusammengestellt hat - liegt erstmals in einem Band vor.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.09.2002

Als Brechts "nonchalantester Fernschüler" erweist sich Roland Barthes für Irene Bazinger, denn, so meint die Rezensentin, als Anfang der 50er Jahre das Berliner Ensemble in Paris gastierte, wurden ihm seine Inszenierungen zur Offenbarung und Erfüllung all dessen, wofür Barthes in Sachen Theater eintrat: Demystifizierung, Klarheit der Semantik, die Verbindung von politischem und semantischem Denken. Barthes' Theaterbegriff orientierte sich an der Bewegung des Théâtre National Populaire von Vean Vilar, berichtet Bazinger, und ist diesbezüglich natürlich seiner Zeit verhaftet; dennoch, so sagt sie, hätten Barthes' Aufsätze und Kritiken, die aus den Jahren 1953 bis 1960 stammen, "eine erstaunliche Frische bewahrt". Nichts, womit sich dieser "neuzeitliche Franz von Assisi", wie Bazinger sehr hübsch schreibt, nicht auseinandergesetzt hätte: Autoren, Inszenierungsstile, Bühnentechnik, Bühnenmusik, Szenenfotografie, ja selbst die Komparserie oder die "Moral eines Kostüms" waren ihm eine Erörterung wert. Bei aller politischen Leidenschaft ging bei Barthes, so Bazinger, nie die Argumentation und der Verstand verloren, außerdem bekannte er freimütig seine Vorlieben und lebte diese ganz unakademisch aus.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.04.2002

Der Titel ein Satz, den wohl vor allem Theaterkritiker unterschreiben können. Auch der französische Philosoph und Soziologe Roland Barthes hat in den 50er Jahren Theaterkritiken und -essays geschrieben, rund 50 sind im vorliegenden Band versammelt, den Peter W. Marx vorstellt. Die Kritiken selbst vermitteln wohl einen lebendigen Eindruck von der französischen Theaterszene jener Zeit - Marx hat besonders die Schilderung einer Art "Erweckungserlebnis" für Barthes im Theater beeindruckt: Das war natürlich Brecht. Bedeutender und von allgemeinerem Interesse als die Einzelkritiken, so Marx, sind die Beiträge Barthes', in denen er sich mit den Möglichkeiten und Grenzen des Theaters auseinandersetzt: wie man es vom Alltagssoziologen Barthes gewohnt sei, ziehe er in "Die Macht der antiken Tragödie" einen Vergleich von antikem Theater und modernen Sportveranstaltungen. Oder entwirft anhand von ethnologischen Kriterien ein Berufsprofil des Schauspielers. Barthes erweist sich auch in diesen Texten als "Meister der kleinen Form", schreibt Marx.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.03.2002

Alexander Kissler macht in seiner Beurteilung über Roland Barthes Schriftensammlung über das Theater zunächst einige Bemerkungen über Barthes Haltung zur Körperlichkeit. Es ist für Barthes sogar so etwas wie das 'Mana-Wort...mit dem man auf alles antworten kann' (Zitat von Barthes). Da "zetert und schwärmt, klagt und träumt Barthes in bester Idealistenart", wenn er sich in seinen Texten an den sinnentleerten und oberflächlichen Inszenierungen bürgerlicher Theaterhäuser stößt, die demokratische Funktion eines "Theaters der Polis" vermisst und feststellt, dass der "nachantike Mensch, den Mut verloren habe, öffentlich zu weinen." An dieser Schriftensammlung erkennt Rezensent Alexander Kissler einmal mehr den bestimmenden Einfluss des Theaters auf Barthes Gesamtwerk und spürt in seinen Ausführungen diese besondere Ambivalenz - zwischen "Last und Lust" - im Umgang mit dem eigenen Körper.
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