Amerigo Vespucci, der florentinische Bankier, der sich für die Expeditionen, die er zunächst nur finanzierte, so sehr begeisterte, dass er in seiner zweiten Lebenshälfte Kosmographie und Astronomie studierte, war einer der ersten wissenschaftlich interessierten Europäer, die ihre sichere Studierstube verließen. Vespuccis 1502 erstmals erschienener "Mundus Novus" markiert daher einen Wendepunkt der europäischen Geistesgeschichte. Die vorliegende Arbeit bietet neben Text und Übersetzung auch einen ausführlichen Kommentar sowie Tafeln zur Bio-Bibliographie Vespuccis und den relevanten Reisedaten. Zwei Essays beleuchten die kulturgeschichtliche Bedeutung von Text und Autor und weisen anhand neuer sprachlicher Untersuchungen die bislang umstrittene Authentizität des Textes nach.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 27.11.2002
Endlich, freut sich Rezensent Florian Welle, liegt der "revolutionäre" Text des Florentiner Bankiers und Hobbyastronoms Amerigo Vespucci, der im Jahr 1502 aus Brasilien zurückgekehrt war und im "Mundus Novus" über die Entdeckung des südamerikanischen Kontinents schrieb, in einer neuen Übersetzung vor. Seit Alexander von Humboldt wurde die Echtheit dieses Dokuments angezweifelt, nun habe, berichtet der Rezensent, Übersetzer und Autor Robert Wallisch Vespucci mit einer erweiterten Quellenprüfung rehabilitiert. "Überaus anregend" findet Welle denn auch nicht nur den Originaltext selbst, den der Rezensent zu den "Gründungsakten" der europäischen Geistesgeschichte zählt, sondern auch den Kommentar und die beiden Essays über die Rezeptionsgeschichte des Textes. Der hatte nämlich, weiß der Rezensent, eine ganze Schar von Autoren, von Pinto bis Conrad, in ihrem Blick auf außereuropäische Kulturen wesentlich geprägt und ist daher auch, meint Welle, eine Urquelle der europäischen Vorstellungen vom "edlen Wilden" oder "barbarischen Kannibalen".
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