Mit Nachworten von Walter Fanta und Klaus Amann. Gesamtausgabe, Band 12. Der letzte Band der Gesamtausgabe enthält, chronologisch geordnet, die vollständige Edition der bereits weit fortgeschrittenen Werkprojekte aus dem Nachlass. Robert Musil hatte diese Arbeiten zwar für die Veröffentlichung vorbereitet, aber nicht in Druck geben können: entweder weil ihn Skrupel davon abhielten - er veröffentlichte ungern Unfertiges - oder weil die Fertigstellung zu spät kam und die widrigen Zeitläufte - Machtübernahme der Nationalsozialisten und Exil - die Publikation nicht mehr zuließen. Den Kern bilden einerseits politische und zeit- wie kulturkritische Essays bzw. Vortragsmanuskripte und andererseits die Sammlung von Aphorismen. Sie entstand zwischen 1933 und 1942 und stellt, abgesehen von den unfertigen Teilen des Romans "Der Mann ohne Eigenschaften", das bedeutendste Vermächtnis des späten Musil dar.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.07.2022
Rezensent Joachim Kalka liest den abschließenden Band der Robert-Musil-Werkausgabe nicht durchweg mit Interesse. Musils Projekte der Jahre 1900-1942, Dramenentwürfe, Essays, Rezensions- und Aufsatzfragmente und kleine Prosa enthalten laut Kalka durchaus viel Unerhebliches, jedenfalls für Nicht-Musilianer. Dazwischen aber blitzen Momente auf, die Kalka die tragische Existenz des mit einem Riesenwerk befassten Schriftstellers erkennen lassen, der keine Zeit mehr für anderes findet. Auch interessante Gedanken zum Erzählen, zur Literatur und zur Politik finden sich laut Kalka. Im Ganzen erinnert der Band den Rezensenten an Lichtenbergs "Sudelbücher".
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