Aus dem Englischen von Henning Dedekind und Werner Roller. Das Leben von Johnny Cash war eine Achterbahnfahrt zwischen Weltruhm und Drogenabsturz, religiösem Eifer und Entzug. Der Südstaaten-Farmersohn entdeckte seine Liebe zur Gitarre und zur Musik während seines Aufenthalts als US-Soldat in Deutschland, schrieb 1953 in Landsberg am Lech seinen ersten Song. Bereits Ende der sechziger Jahre war er erfolgreicher als die Beatles. 48-jährig erhielt er 1980 als jüngster lebender Künstler die höchste Auszeichnung der Country-Musik: die Aufnahme in die Country Music Hall of Fame.
Hilburn lernte Cash 1968 beim legendären Konzert im Folson Prison kennen, über das er als einziger autorisierter Pressevertreter berichtete. Ausgehend von dieser persönlichen Erinnerung zeichnet er ein facettenreiches Bild vom Leben und Leiden des Musikers. Auch Zeitzeugen wie Sohn John Carter Cash, Tochter Rosanne Cash und Bewunderer wie Bob Dylan oder Bruce Springsteen kommen zu Wort und zeichnen ein intimes Bild der amerikanischen Pop-Ikone.
Johnny Cash war einer der Musiker, die glauben, sie könnten mit ihrer Musik die Welt verändern, lernt Rezensentin Sylvia Prahl mit Robert Hilburns Biografie des großen Country-Musikers. Dabei hat er sich eines immer erhalten: seine Authentizität, lesen wir. Dass der Autor sich nicht in unreflektierte Lobeshymnen hineinsteigert, rechnet Prahl ihm hoch an und verzeiht darüber gerne einige kleinere Mängel wie Redundanzen und unnötige Längen. Ein wenig selbstbewusster hätte sie sich Hilburn allerdings schon gewünscht, denn wenn er einmal Kostproben seiner musikjournalistischen Beschreibungskunst liefert, ist das hoch unterhaltsam, lobt Prahl.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.11.2016
Rezensent Peter Kemper hält die Cash-Biografie des Musikjournalisten Robert Hilburn buchstäblich für herausragend aus der Menge der Veröffentlichungen über den 'man in black'. Vor allem, weil Hilburn über Jahrzehnte ganz nah dran war an Cash, ihn oft interviewen konnte und auch den Segen der Familie hat, den ganzen, auch den finstersten Cash zu porträtieren, Legenden und Tatsachen voneinander zu scheiden und so zu einem möglichst menschlichen Porträt kommt. Wenn der Autor den Bogen von Cashs Jugend bis zum Alterswerk spannt, meint Kemper, bleibt kein Fehler des Helden im Verborgenen. Die akribischen, die Hintergründe der Songs aufdeckenden Kommentare zur Diskografie findet Kemper hingegen mitunter ermüdend und unzureichend, weil sich der Autor auf die Texte konzentriert und den kritischen Blick auf die Struktur und den Stil der Musik vermissen lässt, wie der Rezensent bemängelt.
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