Fürchterliche, oft tagelang anhaltende Schneestürme, raues, zu Bergen getürmtes Eis, arktische Kälte mit Temperaturen bis zu 50 Grad unter Null, plötzlich aufreißende Wasserarme, die den Marsch aufhalten und nur auf Eisschollen zu überqueren sind, hastig zusammengebaute Iglus als Unterkünfte und Schutz gegen die Naturgewalten - all dies bildet den äußeren Rahmen zur sechsten Arktisreise des amerikanischen Marine-Ingenieurs Robert Edwin Peary 1908/1909. Während der vorausgegangenen zweieinhalb Jahrzehnte war er bereits fünfmal im hohen Norden gewesen, hatte Grönland erforscht und seine Inselnatur bewiesen und war schon einmal bei dem Versuch gescheitert, auf unsicherem Eis zum Nordpol zu gelangen. Dieses Mal sollte der inzwischen 53 Jahre alte, zähe Amerikaner sein Lebensziel erreichen: Auf einer waghalsigen Fahrt durch die Passage zwischen Grönland und der 850 km langen Ellesmere-Insel kämpft sich Pearys kleines Schiff "Roosevelt" nach Norden, stets auf der Flucht vor treibenden Eisbergen, die es zu zerschlagen drohen. Bei Kap Sheridan, der äußersten Ecke des amerikanischen Kontinents, muss Peary überwintern. Ende Februar 1909 bricht er zum Marsch durch die mörderische Eiswüste auf, und am 6. April stehen er und seine Begleiter als erste Menschen am nördlichsten Punkt der Erde.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 11.04.2009
Rezensent Philipp Felsch, seines Zeichens Mitarbeiter am Lehrstuhl für Wissenschaftsforschung der ETH Zürich, begrüßt außerordentlich, dass dieser Bericht des amerikanischen Ingenieurs und vermeintlichen Nordpolentdeckers anlässlich des 100. Jubiläums seiner angeblichen Entdeckung wieder aufgelegt worden ist. Dabei geht der Rezensent auch ausführlich auf den Streit Robert Pearys mit seinem ehemaligen Schiffsarzt Frederick Cook ein, der seinerseits ebenfalls behauptet hatte, als erster den Nordpool erreicht zu haben. Wahrscheinlicher sei aber, so Felsch, dass weder der eine noch der andere diesen Ort wirklich erreicht habe. Die Geschichte des Nordpoleroberers Peary (Felschs Dafürhalten zufolge ein Betrüger und Lügner) sei voller Bosheit, Besessenheit und Tragik, und der Rezensent hat sich mit außerordentlicher Lust noch einmal in die Abgründe dieser absurden Jagd nach dem phantomhaften Pol begeben, den er als "Hirngespinst" ohne geografische Relevanz beschreibt.
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