Klappentext
Aus dem Norwegischen von Ebba D. Drolshagen. Erling Kagge hat seine eigene Biografie des Nordpols verfasst. Zum siebten Geburtstag bekam Erling von seinen Eltern einen Globus. Er drehte ihn, drehte und schaute auf Länder und Meere, bis sein Blick am obersten Punkt hängen blieb. Das war, inmitten einer blaugrauen Fläche, der Nordpol. Konnte man dort hinreisen? Und wer reiste dort hin? Er las Abenteuerbücher, begleitete Thor Heyerdal auf seinen Expeditionen, war auf Skiern mit Fridtjof Nansen unterwegs. Befasste sich mit den Erzählungen der ersten erfolgreichen Polarreisenden und mit den Berichten über die Ungezählten, die von ihren Expeditionen nicht zurückkehrten. Schließlich wurde er selbst zum Abenteurer. Am 4. Mai 1990 erreichte er zusammen mit Børge Ousland den Sehnsuchtsort seiner Kindheit. Nachdem sie 59 Tage lang ihre Schlitten durch Kälte, Eis und Schnee gezogen hatten. War er während der Vorbereitung besessen von der Vorstellung, es allen beweisen zu können, so änderte sich am Ziel seine Haltung. Ging es nicht vielmehr um den Weg dorthin? Um die besondere Beziehung zum Nabel der Welt, um das Eis, das der fortschreitende Klimawandel rasant zum Schmelzen bringt? "Die Geschichte des Nordpols ist die Geschichte unseres Verhältnisses zur Natur", sagt Erling Kagge.
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Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 20.12.2025
Rezensent Paul Ingendaay begibt sich freudig mit Erling Kagges Erinnerungen auf eine Reise zum Nordpol. Wobei die Polarexpedition auf Skiern und ohne weitere Unterstützung, die Kagge gemeinsam mit zwei Freunden 1990 unternommen hat, in diesem Buch, keine allzu große Rolle spielt, erfahren wir. Nur immer mal wieder kommt Kagge auf seine eigene Nordpolerfahrung zu sprechen, ansonsten konzentriert er sich Ingendaay zufolge auf die Faszination der Menschheit für den Nordpol - im Zentrum des Buches steht also weniger der geografische als der imaginäre Nordpol, der Nordpol im Kopf derer, die ihn suchen. Mit Kagge rekapituliert Ingendaay einige der Stationen und Protagonisten dieser Faszination, wir erfahren von Expeditionen via Ballon, Schiff, Schlitten und mehr, von wissenschaftlichen Nordpolforschern wie Constantine Phipps, von Nordpolstars wie Horatio Nelson, von unglücklich verlaufenden Touren wie der William Parrys. Auch der Medienhype um den Nordpol wird thematisiert, so Ingendaay, am besten kommt von allen Nordpolsuchern Fridtjof Nansen weg, der erkannte, dass man die Natur nicht besiegen, sondern sich in sie einfügen muss. Man kommt der Faszination, die der Nordpol ausmacht, ziemlich nahe in diesem Buch, findet der Rezensent - was umso wichtiger sei, als die Schönheit der Polarregion vom Klimawandel bedroht wird.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 31.10.2025
Rezensentin Andrea Gerk hält die "Nordpol-Biografie" des Abenteurers Erling Kagge für einzigartig. Derart kenntnisreich und kunstvoll, um Fragen der menschlichen Existenz kreisend, hat über diese menschenfeindliche Region noch keiner geschrieben, glaubt sie. Mit Sinn für die Schönheit und das Geheimnis aber auch für die neblige Banalität des Pols berichtet Kagge von den Strapazen seiner eigenen Expedition dorthin und von denen anderer vor ihm. Ein fesselnder philosophischer Reisebericht, der die Faszination des Nordpols auf vielschichtige Weise zu ergründen sucht, freut sich Gerk.