St. Pauli 1951: Jazzpianistin Martha Kiesler, einst das Idol der von den Nazis verfemten Swing-Jugend, kommt in ihre alte Heimat zurück. Ihre Karriere in New York ist nicht so verlaufen, wie sie es sich erträumt hatte. Aber in der vom Krieg gezeichneten Stadt Fuß zu fassen ist schwer, jeder kämpft ums nackte Überleben, und die Nazis sind längst nicht verschwunden. Zunächst schlägt sie sich als Pianistin in einer Hotelbar durch. Als sie einen alten Freund wiedertrifft, der einen Jazzklub eröffnen will, schöpft sie Hoffnung, und in dem geheimnisvollen GI Paul meint sie, ihren Traum-Bassisten gefunden zu haben. Doch er verkehrt mit zwielichtigen Gestalten und muss immer wieder seinen Bass verpfänden. Zum Glück lernt sie auch die patente Blondie kennen, angehende Modedesignerin und unerwarteter weiblicher Beistand. Aber auch Grundstücksspekulanten, Drogenhändler und Rotlicht-Gangster kommen ihr in die Quere, alte Widersacher tauchen auf. Und die Erinnerung an einen mysteriösen Todesfall …
Oft taucht Robert Brack in seinen Kriminalromanen in die Hamburger Geschichte ein, so auch hier, hält Rezensentin Sonja Hartl fest: Anfang der 1950er-Jahre kommt die Jazzpianistin Martha Kiesler nach Deutschland zurück, ihre Geschichte hat Ähnlichkeiten zu der Jutta Hipps. Dem Jazz wird auf St. Pauli noch naserümpfend begegnet, der Nationalsozialismus ist noch nicht lange vorbei, Martha macht Erfahrungen mit Sexismus, lesen wir, aber auch das Wirtschaftswunder setzt sich langsam in Gang. Die für Hartl ziemlich starken Vignetten kommen in Marthas Figur zusammen, die auch zwischen der Erinnerung an früher und dem Wunsch, eine Zukunft zu leben, schwankt. Ein Roman, der der Kritikerin zeigt, wie man Anfang der 1950er-Jahre den Gespenstern der Vergangenheit begegnet.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.02.2026
Rezensentin Katrin Doerksen empfiehlt Robert Bracks locker an das Leben der Leipziger Pianistin Jutta Hipp angelehnten Krimi über eine Barpianistin im Hamburg der Nachkriegsjahre. Mehr als der etwas überorchestrierte Krimiplot hat sie allerdings das Atmosphärische der Spelunken und Wärmehallen von St. Pauli und vor allem der in den Text eingegangene Rhythmus des Jazz und seiner antibürgerlichen Versprechen mitgerissen. Hier trumpft der Autor auf, findet sie, übernimmt das Tänzelnde und Improvisatorische in seine Sprache, raunt und swingt, dass man mitgehen möchte, meint sie.
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