Reeperbahn, Große Freiheit, Davidwache, Herbertstraße, Goldener Handschuh, Sex-Theater und Peep-Shows - nicht weniger stereotyp als die Orte, die den Mythos St. Pauli bilden, sind die zugehörigen Bildwelten. Doch St. Pauli war stets auch gelebter Alltag und hatte zumeist wenig mit den Phantasmen zu tun, die neugierige Touristen und Vorstädter seit jeher anziehen. Wie es in dieser Zwischenwelt aus Rotlichtmilieu und gewöhnlichem Kiezleben aussah, hat Enno Kaufhold in den Jahren von 1975 bis 1985 mit der Kamera festgehalten. Als Student der Kunst- und Fotogeschichte und vom Anspruch der sozial-dokumentarischen Fotografie jener Jahre ausgehend suchte er einen unverstellten Blick auf den Stadtteil, den er in unregelmäßigen Abständen bei Tag und bei Nacht durchstreifte, um mit versteckter Kamera zu fotografieren. Verborgen bleiben musste der Apparat bei diesem Setting, weil der Fotograf Reaktionen auf seine Kamera strikt vermeiden wollte - Authentizität und unverfälschte Ansichten ohne jede Bewertung des Dargestellten waren das Ziel. Von Beginn an stand dabei fest, dass die Fotografien erst lange Zeit später würden veröffentlicht werden können.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 30.11.2021
Rezensent Till Briegleb blättert beeindruckt durch Enno Kaufholds Fotobuch "St. Pauli. Fotografien 1975-1985". In der Blütezeit des Hamburger Rotlicht-Viertels, begab sich der Fotograf bei Tag auf die Straßen, um mit versteckter Kamera "den Alltag eines Mythos" einzufangen, berichtet Briegleb. Dabei fotografierte er skurrile Momente wie Kinder, die neben Bordellen Flohmarkt spielen, genauso wie Betrunkene am Boden, Prostituierte und alte Seemänner beim Einkauf. Briegleb lässt sich von diesen bemerkenswerten Momentaufnahmen in die damalige Stimmung "zwischen Euphorie und Absturz" versetzten und stößt zwischen den Extremen auch auf Zärtlichkeit.
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