"Unsere Türen stehen für die Pois immer offen. Meine Tür ist auch offen, jeder Poi kann eintreten, Zeit mit mir verbringen und ich verbringe dann Zeit mit ihm. Ich bin immer da." Ibli ist Anfang zwanzig und wohnt und arbeitet im Palast, einem einst glanzvollen Bordell, das ihrem Vater gehörte. Iblis Vater, das ist Lackschuh. Zu Hochzeiten des Palastes führte er ein ausschweifendes Leben, nun verfolgt ihn der Bankrott. Seine Tage verbringt er - längst der Sucht verfallen - am Spielautomaten im Café Keese.Ibli aber ahnt, dass es außerhalb des Palasts eine Welt geben muss, in der es in den Fahrstühlen nicht nach Pisse stinkt und wo die Menschen in ihren Wohnungen gemütlich Tee trinken. Eine Welt, in der es nicht allein darum geht, mit einem "sexi Bodi" zahlende Kundschaft anzulocken. Als es im Palast zu einem Eklat kommt, ergreift Ibli die Flucht - mit ungewissem Ausgang.
Zu einem der stärksten Debüts des Jahres zählt Rezensentin Katrin Schumacher den Sexarbeiterinnenroman der non-binären Autorin Cecil Röski. Der Schlüssel zum Erfolg des Buchs, das in einem Bordell auf St. Pauli spiele und rasant zwischen verschiedenen Zeiteben hin und her springe, sei Röskis origineller Umgang mit Sprache: Anstatt zu versuchen, die Sprache des Milieus naturalistisch nachzuahmen, entwerfe der Roman eine Kunstsprache, die gerade in ihrer Artifizialität Zugang verschaffe zu der fremden Welt und Subjektivität der Sexarbeiterinnen. Keineswegs fielen dabei die diversen Herrschafts- und Diskriminierungszusammenhänge unter den Tisch, in die Prostitution eingebettet ist. Deutlich setze sich "Poussi" sowohl von der Rotlichtromantik einschlägiger männlicher Autoren (Houellebecq, Miller) als auch vom feministisch inspirierten Realismus jüngerer französischer Romane zum Thema (Despentes, Slimani) ab. Eine Nähe sieht Schumacher hingegen unter anderem zu Kim de l'Horizons "Blutbuch".
Shida Bazyar: Die Lücken Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre… Anne Carson: Rot Aus dem amerikanischen Englisch von Anja Utler. Der rote Junge Geryon ist unsterblich in Herkules verliebt, der dem Jüngling nicht zu widerstehen vermag. Auf dem Höhepunkt… Juli Zeh: Pony Show Eine prominente Verlegerin unter Mordverdacht. Ein spektakulärer Schwurgerichtsprozess. Und die Frage: Wie verhandelbar ist die Wahrheit? Sie ist über fünfzig, verheiratet… Anne Carson: Der bittersüße Eros Aus dem nordamerikanischen Englisch von Christina Dongowski. Es war eine Dichterin, Sappho, die dem Eros das paradoxe Attribut "bittersüß" gab. Dies geschah in der Zeit,…