Richard Wagner

Das reiche Mädchen

Roman
Cover: Das reiche Mädchen
Aufbau Verlag, Berlin 2007
ISBN 9783351032265
Gebunden, 255 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Als Bille den Flüchtling Dejan trifft, verliebt sie sich in den Mann, der in ihr die begehrenswerte Frau sieht statt der reichen Erbin. Schon in der Schule litt Sybille Sundermann darunter, dass sich ihre Familie in der Nazizeit bereichert hat. Als junge Frau versucht sie, etwas von der Schuld abzutragen, von der niemand redet. Engagiert kämpft sie für die Rechte der Roma und Sinti. Ihre unbeschwerte Liebe zu Dejan jedoch währt nicht lang. Bille degradiert ihren Mann zum wissenschaftlichen Objekt, an dem sie ihr eigenes Schuldtrauma abzuarbeiten versucht. Die Beziehung wird zur Machtfrage, die Liebe schlägt um in Hass, in grausame Gewalt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.03.2008

Maria Frise stellt Richard Wagners Roman "Das reiche Mädchen" mit detaillierter Inhaltsangabe vor, hält sich mit Urteilen über das Buch aber fast gänzlich zurück. Es geht um die tragische Liebe zwischen dem serbischen Roma Dejan und der reichen Bille, die sich als Mitarbeiterin einer Hilfsorganisation um Flüchtlinge kümmert, erklärt die Rezensentin. Auf einer weiteren Ebene des Romans wird das Filmemacherpaar Anna und Carlo vorgestellt, das für einen Film über diese in der Katastrophe endenden Liebe recherchiert und Freunde und Bekannte befragt; schließlich spielt noch die Schuld der Familie Billes im Nationalsozialismus, deren Reichtum nicht zuletzt durch Roma-Zwangsarbeiter und andere Bergen-Belsen-Häftlinge entstanden ist, für den Kontext dieser multikulturellen Beziehung eine Rolle, erklärt die Rezensentin. Sie attestiert dem 1952 in Siebenbürgen geborenen und heute in Berlin lebenden Autor präzise Kenntnis der vielen Völker des Balkans. Dies und die zahlreichen Lieder, mit denen er seinen Roman bereichert, illustrieren Wagners Streben nach "Authentizität und Glaubwürdigkeit", betont Frise, die offen lässt, ob sie dies gelungen findet.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 28.02.2008

Überwiegend positiv beurteilt Rezensentin Nicole Henneberg diesen Roman von Richard Wagner. Der auf Katrin Reemtsmas Lebensgeschichte basierende Roman - die Ethnologin wurde 1997 von ihrem Lebensgefährten, einem Rom, ermordet - nehme die Anfänge und Voraussetzungen dieser Liebesbeziehung in den Blick, wobei er die Geschichte in die Recherche eines Schriftstellers und einer Regisseurin verpackt. Während die Figur Bille Sundermann, wie Reemtsma im Roman heißt, für Henneberg letztlich "schemenhaft" bleibt - auch weil der Roman der Frage nach ihrem "paranoiden Helfersyndrom" ausweicht -, scheint ihr die Geschichte von Billes Freund Dejan richtig packend. Sie sieht darin eine "bittere Geschichte eines Heimatverlustes", die Wagner ihres Erachtens sehr sensibel erzählt. Die Schilderung von Dejans Eintauchen in die Berliner Emigranten-Szene lobt sie als meisterhaft und "mit viel Situationskomik" ausgestattet.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 27.10.2007

Der Plot klingt, wie Rezensentin Ines Kappert ihn zusammenfasst, nach teilweise spannender, ergreifender Lektüre: Ein reiches Mädchen aus einer Familie mit krasser Nazivergangenheit versucht, ihre "Erbschuld" abzutragen, in dem sie sich mit aktuell Verfolgten einlässt. Im vorliegenden Fall mit einem Roma - eine Geschichte, die, wie wir lesen, einen äußerst tragischen Verlauf nimmt. Trotzdem ist die Rezensentin mit dem Buch nicht froh geworden, da ihr der Autor seine Geschichte zu didaktisch und schablonenhaft vermittelt hat und sie auch die Form für den Stoff zu verschachtelt findet. Denn die Geschichte, deren Protagonistin schon auf Seite eins den Tod findet, werde retrospektiv entwickelt, weil die Geschichte verfilmt wird, wovon eine Rahmenhandlung erzählt. Hier ist der Rezensentin dann insgesamt zu viel vom zweifelhaften Gewaltakt der Zuschreibung und anderen Schubladen die Rede, fühlt sie sich zu oft belehrt und als Leserin unterschätzt, obwohl sie gleichzeitig immer wieder stark beeindruckt ist von Richard Wagners Sensibilität für seine Protagonisten.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.10.2007

Richard Wagners Roman "Das Reiche Mädchen" hat Rezensent Nico Bleutge letztlich nicht überzeugt. Zwar findet er in der Erzählung über das tragische Scheitern einer Liebe zwischen einer jungen für die Rechte der Sinti und Roma engagierten Frau, die versucht, ihre Schuldgefühle über ihre Familie, die vom Nationalsozialsozialismus profitiert hat, und einem Flüchtling, durchaus starke Passagen. Aber die Rahmenkonstruktion, in die der Autor seine Geschichte eingebettet hat - ein Schriftsteller und eine Regisseurin versuchen die Ermordung der jungen Frau durch ihren Freund Jahre später zu rekonstruieren -, erscheint ihm fragwürdig. Er sieht darin vor allem einen "Trick" Wagners, das Geschehen mittels des mit seinen Meinungen nur so um sich werfenden Schriftstellers "ungestört" kommentieren zu können. Dies wirkt "didaktisch bis zum Anschlag" und macht aus dem Roman ein Thesenstück.
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