Aus dem Amerikanischen von Andreas Nohl. Kinder in der Natur sind heutzutage eine aussterbende Spezies. Die Folgen dieser "Natur-Defizit-Störung", wie der Autor sie nennt: Flucht in virtuelle Welten, Hyperaktivität, Gewalt, Sucht, ein gesteigerter Gebrauch von Psychopharmaka sowie eine wachsende Gleichgültigkeit gegenüber Natur und Umwelt. In seinem Buch stützt sich Richard Louv auf zahlreiche Interviews und Gespräche, die er über Jahre hinweg mit Wissenschaftlern, Eltern, Kindern, Lehrern und Pionieren der Umweltbewegung geführt hat. Liest man ihre Erfahrungen und Erzählungen, tritt viel Überraschendes zutage, und es zieht den Leser wie magisch nach draußen.
Das Buch, so versichert Reinhard Kahl, stimmt keine kulturkonservative Klage an, aber seine eigene Rezension ist leider etwas pathetisch geraten und redet sich ein wenig in Rage, so dass man erraten muss, was Richard Louv in dem Buch eigentlich macht: Immerhin erfährt man, dass es auf 3.000 Interviews von Kindern und Eltern beruht, dass Louv einen verkümmerten Naturbegriff diagnostiziert und dass er dringlich und glaubwürdig deutlich macht, welche Defizite Erwachsene haben müssen, die als Kind das Wort "draußen" nicht kennen lernten. Kinder toben nicht mehr genug in der Gegend - und schon gar im Wald! - herum. Ihnen fehlt die "Initiation im Matsch". Da wird jeder zustimmen. Leider, so Kahl, wird Louvs Buch schwächer, wenn er von der Diagnose zu Therapievorschlägen übergeht. Dennoch versichert Kahl: das ist ein "gutes Buch über Bildung".
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