Richard Ford

Kanada

Roman
Cover: Kanada
Carl Hanser Verlag, München 2012
ISBN 9783446240261
Gebunden, 464 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Frank Heibert. Illegaler Handel, ein Banküberfall, drei Morde - um nicht weniger geht es in Richard Fords neuem Roman. Dells Eltern sind nach einem gescheiterten Banküberfall in Montana festgenommen worden; er selbst ist zu seinem Schutz nach Kanada gebracht worden. Nun trifft er dort in einem einsamen Städtchen auf eine merkwürdige Schar. Bei Arthur Remlinger kann er unterschlüpfen - doch der Besitzer eines heruntergekommenen Jagdhotels erweist sich als ein Mann mit dunkler Vergangenheit. Inmitten der überwältigenden Landschaft von Saskatchewan entfaltet sich die Geschichte einer schmerzvollen Passage in die Welt der Erwachsenen, wo es keine Unschuldigen geben kann.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.10.2012

Die unguten Vorzeichen häufen sich gewaltig in diesem Roman von Richard Ford. Wolfgang Schneider liest dennoch weiter und taucht tief ein in die rückblickend erzählte Geschichte einer verkorksten Kindheit und Jugend. Dabei fällt ihm auf, wie wuchtig der Autor in die Tasten haut, fast wie bei einem gewöhnlichen Krimi. Doch Ford wäre nicht Ford, meint Schneider, wenn die Geschichte nicht ein wenig anders daherkäme, als man es erwartet. Hier ist es etwa die Frage nach der Schuld der Eltern, die einen Banküberfall begehen und damit die Familie und die Zukunft ihres Kindes zerstören. Stilistisch überzeugt der Text den Rezensenten nicht immer, dafür entschädigen ihn Fords plastische Figurenbeschreibungen, für Schneider ein echtes Lesevergnügen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.09.2012

Andrea Köhler liest diese Coming-of-Age-Geschichte eines Jungen aus Great Falls, Montana mit Genuss. Wenn Richard Ford anhand eines Kindheitstraumas klar macht, dass Alltag und Abgrund näher zusammengehören, als man denkt, fühlt sich Köhler an die Bewusstseinsform des Traumes erinnert. Repetetiv erinnernd entwickelt der Ich-Erzähler seine Geschichte und die seiner Eltern, die auf einen Schlag zu Ende ist, als die Eltern einen Raubüberfall vermasseln und ins Gefängnis müssen. Köhler bewundert, wie Ford dieses den Helden plötzlich ereilende Ende der Pubertät mit einem Erkenntnisprozess verknüpft, der Desillusionierung des Erwachsenwerdens. Für die Rezensentin ein großes, schönes Tableau unter dräuendem Himmel.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.08.2012

Voller Faszination hat sich Rezensent Gustav Seibt von Richard Fords neuem, "geometrisch konstruierten" Roman "Kanada" in das Grenzgebiet zwischen Gut und Böse führen lassen. Gebannt folgt der Kritiker hier dem fünfzehnjährigen Dell Parson, der im Jahre 1960 nach dem Banküberfall seiner Eltern aus den USA über die Grenze nach Kanada flieht und dort in die Gesellschaft eines satanischen Hotelbesitzers und kaltblütigen Mörders gerät. Bewundernd liest der Rezensent, wie Ford die eigentlichen Verbrechen in ihrer ganzen Grausamkeit quälend ausdehnt, ohne reißerische Spannungseffekte und mit viel Detailfreude schildert, während er den Fokus zugleich auf die unschuldige Wahrnehmung des Jungen und dessen Rettung legt. Darüber hinaus lobt der Kritiker die herausragend gezeichneten Figuren und die Vielzahl "naturalistischer Stimmungsdetails". Dieses ebenso "liebevoll" wie meisterhaft geschriebene Buch, das den schmalen Grad zwischen Gut und Böse ausleuchtet, kann der Kritiker nur unbedingt empfehlen.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 25.08.2012

"Hammerroman!" jubelt Rezensent Dirk Knipphals nach der Lektüre von Richard Fords neuem Buch "Kanada". Allein die Geschichte um den fünfzehnjährigen Dell, der nach einem Banküberfall seiner Eltern nach Kanada flieht und dort in einen Doppelmord verstrickt wird, hat den Kritiker schnell in den Bann gezogen. Darüber hinaus lobt er neben Fords herausragenden Schilderungen der Verlorenheit in den Weiten der USA, sein Talent so realistisch und zugleich symbolisch zu erzählen, dass viele der beschriebenen Szenen den Rezensenten noch lange beschäftigen. Die größte Bewunderung des Kritikers gilt allerdings dem Kunstgriff des Autors, eine zweite Ebene in seinen Text miteinzubeziehen: Ford lasse seinen Erzähler, der inzwischen ein geordnetes Leben als pensionierter Lehrer führt, seine Erlebnisse mit dem Abstand von fünfzig Jahren niederschreiben, so dass der Rezensent den Versuch, Ordnung in sein Leben und die unzusammenhängenden Erinnerungen zu bringen, direkt mitverfolgen kann.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 23.08.2012

Richard Fords trostlosesten und dunkelsten Roman meint Rezensentin Ursula März mit dessen jüngstem Buch vor sich zu haben: Der Highschool-Lehrer Dell Parson gerät, nachdem seine Eltern wegen Bankraubs weggesperrt werden, an den amerikanischen Mörder Arthur Remlinger - eine Figur vom Kaliber des Elfenbeinhändlers Kurtz aus Conrads "Herz der Finsternis" - und kann sich schließlich nur durch die Flucht in das gelobte Land Kanada retten, erfahren wir. Durchweg gelingt es dem amerikanischen Autor, die Balance zwischen Handlung und Reflexion zu halten, lobt die Rezensentin, die am Ende den auch philosophisch beschlagenen Helden ein bisschen zu lehrerhaft findet, um sich ganz mit ihm anzufreunden. Die Rahmenbedingungen des Romans hat Ford bereits in seiner Novelle "Wild leben" von 1991 ausgestaltet und abschließend fragt sich die Rezensentin, ob die kleinere Prosaform nicht auch für die Geschichte von Dell Parson ausgereicht hätte. Sie hütet sich aber davor, das Ganze langatmig zu nennen, dafür hat sie das Schicksal des Helden wohl doch zu sehr berührt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.07.2012

Rezensentin Verena Lueken ist nicht nur ganz hingerissen von Richard Ford, den sie für ein Interview in seiner Heimat an der Küste Maines besucht hat, sondern auch von seinem neuen, "brillant komponierten" Roman "Kanada". Ford, dessen Sätze der Kritikerin als die "schönsten" erscheinen, die zur Zeit von einem amerikanischen Autor geschrieben werden, stelle einmal mehr sein Talent unter Beweis, seine Geschichte - begonnen beim Spannungshöhepunkt - in all ihren Konsequenzen und bis an die Grenzen auszuloten. Und so folgt die Rezensentin hier gebannt dem Ich-Erzähler Dell, der auf sein Leben zurückblickend berichtet, wie ihn zunächst der Raubüberfall seiner Eltern und später das Miterleben einer fast beiläufigen Mordserie in einer Gruppe von Jägern nachhaltig geprägt haben. Insbesondere lobt Lueken aber Fords Gabe, derart ausdrucksstarke Bilder von Landschaften und Tieren zu entwerfen, dass sie auch nach der Lektüre noch lange im Gedächtnis bleiben.