Regina Porter

Die Reisenden

Roman
Cover: Die Reisenden
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2020
ISBN 9783103973952
Gebunden, 384 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Tanja Handels. Zwei Familien, zwei Hautfarben und die gemeinsame Sehnsucht nach Versöhnung: Von den Bürgerrechtsbewegungen bis zur Obama-Ära spannt Regina Porter ein schillerndes Zeitpanorama und verdichtet die Geschichte zweier Familien - die eine weiß, die andere schwarz - zu einem Familienepos. Anfang der Sechziger weht Hoffnung durch das Land. Martin Luther King marschiert auf Washington, Amerika hat einen Traum. Der junge James will seine ärmliche irische Herkunft hinter sich lassen und träumt von einer strahlenden Zukunft als Anwalt. Nur wenig später wird die junge, schöne Afroamerikanerin Agnes auf der Heimfahrt von ihrem ersten Date von einem weißen Polizisten angehalten. Schreckliche Momente folgen. Agnes zweifelt, ob sie überhaupt eine Zukunft hat. Beide ahnen nicht, auf welch unerwarteten Wegen die Geschichte der nächsten Jahrzehnte sie und ihre Familien zusammenführen wird.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.02.2020

Rezensentin Angela Schader hat die sich immer wieder berührenden Geschichten einer afroamerikanischen und einer weißen Familie von den 1960er Jahren an, die dieser Roman ihr zufolge gekonnt an den großen historischen Ereignissen entlang entwickelt, sehr gerne gelesen: Auch wenn sie sich stellenweise gewünscht hätte, dass die Autorin sich einige Figuren für spätere Bücher aufgespart hätte, hat Porters Personal sie regelrecht in seinen Bann gezogen. Die Schicksale zeigen ihr zufolge eindrücklich, wie "hergebrachte Hierarchien" trotz der Fortschritte im Kampf gegen Rassismus und Frauenfeindlichkeit bestehen bleiben, ohne dass dabei ein larmoyanter Ton entsteht - im Gegenteil setze die Autorin ihrer bitteren Wahrheit doch einen Witz entgegen, der ihrem sprühenden Einfallsreichtum in nichts nachsteht, versichert die Kritikerin.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 06.02.2020

Wie eine Reise voller Überraschungen war dieser Roman für die Rezensentin Sonja Hartl - eine Reise, die sie sehr genossen hat. 21 Stationen waren es, in 64 Jahren Geschichte zweier Familien, bestehend aus insgesamt 34 Figuren, lesen wir. Von diesen Figuren und ihren Biografien erzählt Porter aus wechselnden Perspektiven und bedient sich dabei einer ganzen Bandbreite von Stilmitteln wie fiktiven Briefwechseln, Fotografien oder Shakespeare-Verweisen, so Hartl. Der Erzählton jedoch bleibt stets "lakonisch, oftmals fast nüchtern", was ihr nur in wenigen Situationen unangemessen erscheint. Zu den meisten Familienmitgliedern der weißen Vincents und der schwarzen Christies passt dieser reservierte, teils gar verbitterte Ton sehr gut, findet die Rezensentin. Beide Familien können im Laufe der erzählten Zeit einen sozialen Aufstieg verzeichnen, wobei die Christies jedoch mit sehr viel mächtigeren Widerständen zu kämpfen haben. Dass der Roman Familien- und fragmentierte Zeitgeschichte ist und sich dabei auf ganz selbstverständliche Weise mit dem Thema Rassismus beschäftigt, hat ihr gut gefallen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 01.02.2020

Rezensentin Sylvia Staude scheint Gefallen zu finden an der lose gehaltenen "Puzzle"-Struktur dieses Romans. Regina Porter erzählt hier über 60 Jahre hinweg aus dem Leben zweier Familien, einer weißen und einer afroamerikanischen, von ihren Verbindungen untereinander und von Rassismus. Dabei fällt der Roman, so die Rezensentin, strukturell und inhaltlich ungewohnt "locker-ausschweifend" aus, weshalb man auch nicht unbedingt von einem Familienroman sprechen könne: Die achronologische Erzählung springt zwischen den Figuren und Zeiten hin und her, manche Figuren begegnen sich nur flüchtig oder ziehen weiter, Erzählperspektiven wechseln sich ab. Auch die Sprache komme sehr undramatisch und manchmal in "Siebenmeilensätzen" daher, und selbst schlimme Ereignisse werden bei Porter gerne "niedriggehängt", beobachtet Staude. Ein Roman ganz ohne "außerordentliche" Ereignisse oder Leistungen, meint sie, wie ein Puzzle, bei dem der Leser durchaus selbst mitarbeiten muss, das aber trotzdem gut funktionieren könne, schließt sie optimistisch.
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