Schon in der wilhelminischen Gesellschaft vollzog sich die ethische und ärztliche Umwertung der Individualmedizin zur Pflege des "Volkskörpers", um die "Volkskraft" zu erhalten und zu mehren. Die Ursachen dieser Entwicklung und ihre Konsequenzen im "Dritten Reich", im Spannungsfeld von Ärzteschaft, Gesundheitspolitik und Ideologie, zeichnet diese Studie nach. Am Beispiel des Nationalökonomen Hadrich und des Arztes Haedenkamp, beide Vertreter einer konservativen, autoritären und antiemanzipatorischen Standespolitik, beide in bedeutenden Positionen, wird die ärztliche Standespolitik im Nationalsozialismus untersucht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.06.2001
Robert Jütte lobt diese Studie als "sorgfältige und quellengesättigte Untersuchung". Dennoch bleiben nach der Lektüre seiner Ansicht nach einige Fragen offen. Seiner Meinung nach hätte eine Doppelbiografie des ehemaligen NS-Arztes Karl Haedenkamp und des Nationalökonomen Julius Hadrich, die auch nach dem Krieg in der ärztlichen Standespolitik wichtige Posten bekleidet haben, deutlicher die Kontinuität dieser Standespolitik beleuchtet. Doch Schwoch hat, so Jütte, einen "institutionengeschichtlichen Ansatz" bevorzugt, wodurch dieser wichtige Aspekt der Kontinuität zu kurz komme. So werden nach Jütte beispielsweise "Konflikte, Koalitionen" und der Handlungsspielraum der Ärzte im Nationalsozialismus nicht ausreichend deutlich. Gut gefällt dem Rezensenten jedoch, dass sich im Anhang auch Biografien von "Vertretern ärztlicher Standespolitik in der Weimarer Republik und im Dritten Reich" befinden, die für eine "noch zu schreibende Kollektivbiografie der damaligen Ärztefunktionäre" eine Ausgangsbasis bilden können.
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