Die Kultur ist eine Welt von Tatsachen. Das sagt sich leicht und klingt überzeugend. Die Frage ist aber, was wir erwarten, wenn wir von Tatsachen sprechen. In Abhebung von positivistisch getönten Wissenskulturen des 19. Jahrhunderts begannen die frühen Kulturphilosophen, ein eigenes Verständnis von Faktizität zu entwickeln. Den Schlüssel fanden Georg Simmel und Ernst Cassirer mit dem Konzept des Werks. Seither müssen wir uns die Kultur als etwas denken, das sich indirekt und auf Umwegen manifestiert, und zwar in den Tatsachen des von Menschen Gemachten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 16.01.2007
Ralf Konersmann führt sein Projekt fort, den Kultur-Begriff als wichtigen Teil philosophischer Traditionen herauszuarbeiten. Im vorliegenden Band, so Rezensent Thomas Meyer, gebe der Autor eine Art "Gegengeschichte" zu einer an Hegel orientierten Philosophietradition mit "offenen" Denkern wie Leibniz, den französischen Enzyklopädisten, Simmel, Cassirer und Hans Blumenberg. "Kulturelle Tatsachen" seien in dieser Traditionslinie "transparente Manifestationen des Geistes", und Ralf Konersmann versuche in 16 Studien eine Art "Formenlehre" zu präsentieren. Diesen Ansatz, der mit einer Vielfalt von Methoden des Verstehens einhergehe, versteht der Rezensent als "Gegengift" zu philosophischer "Formelsprache". Die Essays würden historische "Details" stets sehr genau berücksichtigen und insbesondere die Arbeiten zur "Vernunftarbeit" haben dem Rezensenten gut gefallen. Einzig die Texte zu Walter Benjamin und Vladimir Jankelevitch seien weniger gelungen. Ralf Konersmanns großes Verdienst sei es, Kulturphilosophie als Disziplin der Gegenwart zu etablieren.
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