Rainer Forst (Hg.)

Toleranz

Philosophische Grundlagen und gesellschaftliche Praxis einer umstrittenen Tugend
Cover: Toleranz
Campus Verlag, Frankfurt am Main 2000
ISBN 9783593364056
Broschiert, 284 Seiten, 20,35 EUR

Klappentext

In pluralistischen Gesellschaften ist Toleranz eine ebenso unverzichtbare wie umstrittene Tugend. Den einen erscheint sie als Ausdruck gegenseitigen Respekts oder gar der Wertschätzung von kultureller und religiöser Differenz. Andere betrachten sie als eine herablassende Einstellung und als eine strategische, potentiell repressive Praxis gegenüber Minderheiten. Angesichts dieser Divergenzen macht es sich der Band zur Aufgabe, die philosophischen Grundlagen und die gesellschaftliche Praxis der vieldeutigen Tugend der Toleranz zu untersuchen. Mit Beiträgen von Wendy Brown, Rüdiger Bubner, Rainer Forst, Anna Elisabetta Galeotti, Otfried Höffe, Avishai Margalit, Martha C. Nussbaum, Joseph Raz, Paul Ricoeur und Perry Schmidt-Leukel.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 21.12.2000

Bevor Rüdiger Suchsland uns Rainer Forsts Sammelband mit 12 Beiträgen "hochkarätiger" Verfasser vorstellt, reflektiert er kurz selbst die Thematik. Nicht "menschenfreundliche Gesinnung", sondern "nackte Angst" habe am Anfang der Toleranz gestanden, nämlich z. B. als letztes Überlebensmittel des Königs Henri IV gegen religiösen Fanatismus. Heute gehe es längst nicht mehr um das staatliche Überleben, sondern eher um Fragen wie: Welche Differenzen sind zumutbar für die Gemeinschaft, wann ist staatliches Einschreiten legitim? Auf das "Gewirr von Positionen", so Suchsland, macht der Herausgeber des Sammelbandes schon in der Einleitung aufmerksam, einige werden in der Rezension kurz angerissen, beispielsweise die der Philosophin Wendy Brown, die einen Bedeutungswandel des Begriffs Toleranz konstatiert und auf seine neue "zutiefst antidemokratische Dimension" verweist. Die meisten Verfasser würden sich mit der Frage der philosophischen Definition und einer politisch -sozialen Anwendung befassen, resümiert Suchsland, und dass man keine einheitliche Definition erwarten könne, verstehe sich bei diesem Thema von selbst. Wo endet die Toleranz? Natürlich vor radikalen Ansichten. Amüsiert konstatiert der Rezensent, dass ausgerechnet ein Sammelband über Toleranz zu dem "klassischen Problem zurückführt, wer am Ende den Feind definiert".
Stichwörter

Beliebte Bücher

Anne Carson. Rot - Zwei Romane in Versen. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2019.Anne Carson: Rot
Aus dem amerikanischen Englisch von Anja Utler. Der rote Junge Geryon ist unsterblich in Herkules verliebt, der dem Jüngling nicht zu widerstehen vermag. Auf dem Höhepunkt…
Juli Zeh. Pony Show - Roman. Luchterhand Literaturverlag, München, 2026.Juli Zeh: Pony Show
Eine prominente Verlegerin unter Mordverdacht. Ein spektakulärer Schwurgerichtsprozess. Und die Frage: Wie verhandelbar ist die Wahrheit? Sie ist über fünfzig, verheiratet…
Shida Bazyar. Die Lücken - Roman. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Shida Bazyar: Die Lücken
Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre…
Anne Carson. Der bittersüße Eros. Turia und Kant Verlag, Wien, 2020.Anne Carson: Der bittersüße Eros
Aus dem nordamerikanischen Englisch von Christina Dongowski. Es war eine Dichterin, Sappho, die dem Eros das paradoxe Attribut "bittersüß" gab. Dies geschah in der Zeit,…