Wie wurde seit dem Ende des 18. Jahrhunderts die Naturlandschaft umgestaltet? Und wie hat sich unsere Wahrnehmung der Natur verändert? Rainer Beck schildert in seinem Buch einen Prozess der völligen Verkehrung der Werte: galt einst unseren Vorfahren die vom Menschen geprägte Landschaft als schön, die unbearbeitete Natur als düster und hässlich, so steht am Ende die große Sehnsucht nach einer vom Menschen möglichst verschonten Natur.
Christiane Grefe ist voll des Lobes und ein klein wenig klüger: Landschaften, weiß sie jetzt, haben eine Geschichte menschlicher Eingriffe, die oft weit in die Zeit zurückreicht, in der wir sie noch unberührt wähnten. Rainer Beck hat sich eine Landschaft in den Voralpen herausgepickt und beschreibt ihre Veränderungen parallel zur Gesellschaftsgeschichte: die zunehmende Nutzbarmachung der Natur, die "Erosion von Vielfalt". Allerdings, stellt Grefe klar, schlussfolgert Beck aus dem "Ende der Wildnis" keinesfalls, dass früher alles besser war, denn Natur - und damit unsere Vorstellung von ökologischem Fortschritt - ist "stets gesellschaftlich wie individuell konstruiert". Ein vermeintlich unberührter Wald, der heute unser Schönheitsempfinden anspricht, wirkte auf einen Agrarreformer des 18. Jahrhunderts deprimierend - er war nutzlos. Damals, erklärt Grefe in Bezug auf Beck, begann der "Umbau der Landschaft", um die Menschen glücklicher zu machen. Alles eine "Frage der Perspektive", schreibt Grefe.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.09.2003
Dass der geringe Respekt vor der Natur nicht nur ein Zeichen unserer Zeit ist, findet Rezensent Hans Pleschinski interessant. Schon seit der Aufklärung unterwerfe sich die Menschheit die Natur als "Werkzeugkasten", beschreibe der Kunsthistoriker Rainer Beck "frei von Nostalgie" in seinem neuen Buch. In dieser Landschaftsgeschichte am Beispiel der Gegend um das bayrische Ebersberg werde deutlich, wie eng Mentalitäts- und Landschaftsgeschichte zusammenhängen, lobt Pleschinski. Dabei werde klar, in welchem "erschreckend staunenswerten Tempo" sich seit dem 18. Jahrhundert Stalltierhaltung durchgesetzt, Haine sich in Wiesen verwandelt haben und aus Eichen- und Buchenwäldern Monokulturen von Fichten und Kiefern geworden seien. Das eigene Bild von der scheinbar "gegebenen Landschaft" wandele sich durch die Darstellung Becks und biete darüber hinaus noch "schön illustriert" einen guten Einblick in die Geschichte der letzten Jahrhunderte, resümiert der Rezensent.
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