Rabah Belamri

Verletzter Blick

Roman
Cover: Verletzter Blick
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2002
ISBN 9783518122839
Kartoniert, 147 Seiten, 9,50 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Bernd Schwibs.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.04.2003

Fast möchte man meinen, der Rezensent Heinz Hug versuche zu begründen, warum man überhaupt einen nicht mehr brandaktuellen Roman aus einer anderen Kultur lesen sollte. Rabah Belamris Roman "Der verletzte Blick" sei ein solcher Text, vor 15 Jahren geschrieben, über Ereignisse, die noch weiter zurückliegen, nämlich den algerischen Unabhängigkeitskrieg. Und doch sei er in gewisser Hinsicht brandaktuell, so Hug, wirft er doch Licht auf die Hintergründe heutiger Entwicklungen - und Missentwicklungen - in Algerien. Der Titel, so Hug, verweist sowohl auf den fünfzehnjährigen Hassan, der schrittweise erblindet und aus dessen "zwangsläufig subjektiver" Perspektive erzählt wird, wie auch auf "die Verletzungen, die ihm die Ereignisse zufügen", denn er erkennt, dass die Unabhängigkeit sich in "Abrechnung und Streit um neue Machtpositionen" erschöpft. "Sparsam" nennt Hug Belamris Erzählweise, da dieser sich auf Hassans "Wahrnehmungen und Erinnerungen" beschränken, und diese ganz ohne Pathos in "kristallklare Sprache" gefasst hat.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.01.2003

Lothar Müller preist begeistert diesen Roman, der 1987 erstmals in Paris erschienen ist und nun auf Deutsch vorliegt. Das Buch spielt in Algerien im Jahr der Unabhängigkeit 1962, erzählt der Rezensent, der mit Zufriedenheit bemerkt, dass der Autor nicht dem "Pathos des historischen Augenblicks" verfallen ist, sondern lauter kleine Geschichten erzählt. Neben den Kriegsgräueln wird auch die Geschichte Hassans erzählt, der mit 16 erblindet, fasst Müller zusammen, der auch weiß, dass der algerische Autor selbst das gleiche Schicksal teilte. Der Rezensent ist von dieser "sehr klaren, sehr harten französischen Prosa" beeindruckt und er findet es gut, dass der Übersetzer dies auch in die deutsche Fassung "ohne jede Milderung" übertragen hat. Müller spricht von einem "großartigen Buch" und ist erfreut, dass der algerische Autor, der 1995 in Paris starb, nun auch für das deutsche Publikum "zu entdecken" ist.

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