Philipp Felsch, Frank Witzel

BRD Noir

Cover: BRD Noir
Matthes und Seitz Berlin, Berlin 2016
ISBN 9783957572769
Kartoniert, 160 Seiten, 12,00 EUR

Klappentext

Nachdem Frank Witzel und Philipp Felsch im Frühjahr 2015 zwei aufsehenerregende Auseinandersetzungen mit der westdeutschen Vergangenheit veröffentlichten, blicken sie nun gemeinsam auf die alte BRD und das Aroma der Epoche zwischen Nachkriegszeit und Wende. Dabei fällt auf, dass die alte Bundesrepublik angesichts aktueller globaler Unsicherheit und Identitätskrisen mehr und mehr romantisiert und idealisiert wird, es wächst die Sehnsucht nach dem scheinbar heimeligen Rheinischen Kapitalismus und dem Biedermeier von Helmut Schmidt und 'Wetten Dass?'. In ihrer aus ihren Büchern gespeisten Rückschau erinnern Witzel und Felsch an die untergründige Gewalt und die Düsternis der alten BRD, die ihr ideales Aushängeschild eher in Eduard Zimmermann als in Frank Elstner fand.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 31.03.2016

Rezensent Stephan Speicher scheint ganz glücklich, dass es bei dem Historiker Philipp Felsch und dem Schriftsteller Frank Witzel bei allem Taumel der Erinnerung an die alte Bunderepublik immer auch selbstkritisch und -ironisch zugeht. Derrick und Adorno, Fassbinder und Brinkmann kommen vor im Gespräch der beiden Autoren, das laut Speicher immer wieder das Banale und das Abgründige als das dieses Land Prägende herausarbeitet. Dass sich Nachkriegsdeutschland mit Gesichtspunkten des Noir hinreichend erfassen lässt, wie die Autoren suggerieren, glaubt der Rezensent allerdings nicht. Ein trübes, doch mit seinen Abschweifungen zu Pop und zu den Idiosynkrasien der Verfasser zum Glück auch munteres Buch, urteilt Speicher.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 16.03.2016

Für den Rezensenten Andreas Fanizadeh markiert das vorliegende Gespräch zwischen dem Schriftsteller Frank Witzel und dem Kulturwissenschaftler Philipp Felsch einen weiteren Schritt in der Historisierung der alten BRD. Anlass zu diesem auch wegen des Altersunterschieds der beiden Diskutanten spannenden Gespräch bot Witzels preisgekrönter Roman "Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Jahre 1969" von dem inspiriert Felsch den Begriff des "BRD Noir" vorschlägt. Zumindest in Fanizadehs Besprechung bleibt der Begriff allerdings etwas diffus, er scheint aber auf die sozialen Verwehungen und Maskierungen der Nachkriegs-BRD abzuheben: Der Kritiker selbst leitet den Begriff aus den Bildwelten des Kriminalfilms ab und schlussfolgert mit Blick auf "Derrick" und "Aktenzeichen XY", dass "Noir" im BRD-Mainstream nicht habe stattfinden können. Ob er damit Felschs und Witzels Fazit übernimmt oder an deren Begriff Kritik übt, bleibt leider unklar.