Petra Terhoeven

Liebespfand fürs Vaterland

Krieg, Geschlecht und faschistische Nation in der italienischen Gold- und Eheringsammlung 1935/36
Cover: Liebespfand fürs Vaterland
Max Niemeyer Verlag, Tübingen 2003
ISBN 9783484821057
Gebunden, 594 Seiten, 88,00 EUR

Klappentext

Am 18.12.1935 fand in Italien die wohl aufwendigste Selbstinszenierung des faschistischen Regimes statt. Im Zuge einer beispiellosen Spendenaktion zur Finanzierung des Äthiopienkrieges tauschten Millionen italienischer Paare ihre Eheringe gegen wertlose Metallringe ein. Die vorliegende Studie beleuchtet erstmals die Hintergründe dieses bemerkenswerten Geschehens. Dabei wird das kollektive Eheringopfer als Schlüsselereignis zum Verständnis grundlegender Aspekte des Faschismus betrachtet - vor allem der zentralen Bedeutung des Militarismus als innenpolitischem Mobilisierungsinstrument.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.05.2005

Unter dem Motto "Gold fürs Vaterland" wurden die Italiener im Dezember 1935 dazu aufgerufen, ihre goldenen Eheringe gegen wertlose Metallringe zu tauschen und damit die Kassen des Mussolini-Regimes nach dem Eroberungskrieg in Äthiopien wieder aufzufüllen. So skizziert Frank-Lothar Kroll die Ausgangssituation für Petra Terhoevens Untersuchung über faschistische Symbolpolitik. Das kollektive Ringopfer fand enormen Zulauf, berichtet Kroll, was dem Bild eines regimekritischen Italiens zumindest für diese Epoche widerspreche. Dies sei eine von vielen überraschenden Erkenntnissen, die Terhoevens argumentativ überzeugende und dazu noch spannend geschriebene Untersuchung zu Tage bringe. Die Eheringsammlung, die auf den ersten Blick eher lächerlich wirkt, wie Kroll zugibt, wurde zu einer "mystischen Hochzeit zwischen Volk und Vaterland" stilisiert und durch die Begeisterung, mit der sich die Italiener beteiligten, als "quasiplebiszitäre Legitimation" gewertet. Kroll arbeitet einen weiteren Aspekt von Terhoevens Untersuchung heraus: Mussolini war klug genug, die katholische Kirche für seine Zwecke einzuspannen, wußte aber auch, dass er dem italienischen Volk keine politische Ersatzreligion bieten durfte, lautet Krolls Schlussfolgerung.

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