Petra Hulova

Kurzer Abriss meines Lebens in der mongolischen Steppe

Roman
Cover: Kurzer Abriss meines Lebens in der mongolischen Steppe
Luchterhand Literaturverlag, München 2007
ISBN 9783630621272
Taschenbuch, 302 Seiten, 9,00 EUR

Klappentext

Aus dem Tschechischen von Christa Rothmeier. Kürzlich in der mongolischen Steppe: Dzaja ist keine reine Mongolin und deshalb nicht recht anerkannt im Nomaden-Clan. Außerdem ist sie nur ein Mädchen. Als sie volljährig ist, geht Dzaja in die Stadt, um ihr Glück zu finden. Doch bald erkennt sie, dass sie in der Stadt das Mädchen aus der Steppe ist, eine Fremde. Berührend, bilderreich und gleichzeitig lakonisch schildern erst Dzaja, dann ihre Mutter und später Dzajas Tochter scheinbar ganz alltägliche Begebenheiten. Von der Rechtlosigkeit der Frauen in der Steppe, von der Sinnlichkeit und Farbigkeit des Nomadendaseins und von der Beliebigkeit und Kälte städtischer Kultur, die aber auch Freiheit bietet. Am Ende muss jede der drei Frauen für sich ihren ganz eigenen Weg finden und auf etwas verzichten, was eigentlich unverzichtbar ist: Auf das Alte zugunsten des Neuen. Oder auf die Freiheit zugunsten der Sinnlichkeit.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 27.12.2007

Sehr beeindruckt ist Rezensentin Insa Wilke von diesem "reichen und eigensinnigen" Debütroman der tschechischen Schriftstellerin Petra Hulova, der sich im Vergleich mit der hiesigen Gegenwartsliteratur aus ihrer Sicht "angenehm unzeitgemäß" ausnimmt. Es geht, wie sie schreibt, um ein mongolisches Mädchen, das aus der Steppe in die Stadt gerät, wo sie Emanzipation sucht und Entfremdung findet. Besonders der irritierend naive Ton der Hauptfigur Dzaja, die herbe Poesie ihrer Erzählung, aber auch die Tatsache, dass hier keineswegs der alte Gegensatz von "entfremdetem Stadtleben und glücklicher Landidylle" wieder aufgewärmt wird, sondern sich die von der jungen Autorin "mit Bedacht geknüpften Lebensfäden" ihrer Figuren stattdessen in ein höchst komplexes Muster verwickeln, findet viel Anerkennung. Auch die Übersetzerin Christa Rothmeier wird für ihr feines Gehör gelobt, mit dem sie die Gratwanderung zwischen "blumiger Mündlichkeit" der Rede, Kitsch und Poesie bewältigt und in einen poetischen Realismus gebracht hat.