Der Band geht auf das Symposium zurück, das die "Gesellschaft zur Herausgabe des Corpus Catholicorum e.V." im Jahr 2013 anlässlich des 450. Jahrestages des Abschlusses des Konzils von Trient durchführte.
Die Beiträge haben sowohl das Ereignis des Tridentinums als auch die verschiedenen Phasen seiner komplexen und langfristigen Rezeptionsgeschichte zum Gegenstand. In der ersten Sektion geht es um das Tridentinum als lieu de mémoire, um seine Erinnerungs- und (Um-)Deutungsgeschichten, die schlaglichthaft von der Gegenwart über das 19. Jahrhundert bis zurück ins 16. Jahrhundert zurückverfolgt werden. Die zweite Einheit wendet sich den theologischen Debatten und Ergebnissen des Tridentinums selbst zu und spürt insbesondere seine Rezeption der mittelalterlichen theologischen (Ordens-)Schulen auf. Die Aufsätze der dritten Sektion analysieren die Art und Weise, wie die neu eingerichteten Dikasterien der römischen Kurie Trient interpretierten und seine Durchführung in Europa zu steuern versuchten. In der vierten Sektion wird der große Bereich der Konzilsrezeption bzw. Nichtrezeption in den Blick genommen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.02.2017
Mit großem Interesse hat Rezensent Rudolf Neumaier diesen Tagungsband gelesen, der anlässlich des Jubiläums des Konzils von Trient von dem Kirchenhistoriker Günther Wassilowsky und dem Dogmatiker Peter Walter herausgegeben wurde. Der Kritiker liest hier nicht nur nach, dass die Lesarten der Konzilsüberlieferungen überwiegend von "Mythen und Gegenmythen" bestimmt wurden, sondern erfährt auch, dass das Konzil wesentlich "offener" und "vielschichtiger" war als angenommen. Neben dem instruktiven Beitrag des niederländischen Theologen Herman Johan Selderhuis, der das Verhältnis der Protestanten zu Trient analysiert, hebt der Rezensent besonders die Disputation von Peter Hersche und Wolfgang Reinhard über die neokonservative Strömung im Katholizismus hervor.
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