Aus dem Englischen von Hans M. Herzog. Es ist die Zeit der großen Waldbrände, die alles zu vernichten scheinen und auch die Stadt Melbourne bedrohen. In einem neu erbauten Luxuskomplex wird eine junge Frau ermordet aufgefunden. Stephen Villani, der die Ermittlungen leitet, wird von der Politik an der Aufklärung gehindert. Aber es beschäftigt ihn nicht nur die Frage, warum der Mord vertuscht werden soll. Die Ermordete sieht aus wie seine jüngste Tochter, die spurlos verschwunden ist. Und diese familiäre Situation zermürbt ihn mehr als der frustrierende Polizeialltag.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.05.2011
In seiner Heimat Australien gewinnt der Kriminalromanautor Peter Temple lange schon Preise, und nicht nur für Kriminalliteratur. Auch Rezensent Hannes Hintermeier greift in ganz andere Register, wenn er sich von diesem jüngsten Roman teilweise an J.M. Coetzee oder gar William Gaddis erinnert fühlt. Letzteres vor allem, weil Temple sich in dieser sehr verwickelten Geschichte als Meister des Dialogs und nicht-linearen Erzählens erweist. Der Protagonist, der Kriminalpolizist Stephen Villani, sieht sich mit systematischer Korruption und skrupellosen Verbrechern in Melbourne konfrontiert. Nichts sei das für Leser, die weiter nichts als nur Spannung suchen. Wer auf die Kosten kommt, sind vielmehr, so Hintermeier, jene, die sich für Romane als komplexe Sprach- und Erzählkunst begeistern. Indirekt bekommt auch der Übersetzer Hans M. Herzog viel Lob - denn einfach, meint der Rezensent, war seine Aufgabe ganz sicher nicht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 15.04.2011
Beeindruckt zeigt sich Sylvia Staude von Peter Temples in Australien preisgekröntem Roman "Wahrheit". Sie zählt das Werk zur neuen Generation jener modernen Kriminalromane, die sich durch ihre literarische Ambition auszeichnen. Die Geschichte um den Chef des Melbourner Morddezernats kommt für sie höchst komplex, hart und illusionslos daher. Die Polizeiarbeit scheint ihr genau und realistisch eingefangen. Im Unterschied zum traditionellen Krimi wird bei Temple eine verlässliche gesellschaftliche Ordnung durch die Ermittlungen ihres Erachtens nicht wieder hergestellt. Staude würdigt die Kunst des Autors, Dialoge zu schreiben, die kunstvoll und realitätsnah zugleich sind.
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