Aus dem Australischen von Hans M. Herzog. Joe Cashin war früher ganz anders. Er war flink, selbstsicher und nicht so nachdenklich. Aber er hat dem Tod ins Auge gesehen. Für Cashin heißt das, nicht mehr bei der Mordkommission zu sein, sondern in einem abgelegenen Nest an der Küste zu arbeiten. Und dann geschieht dort ein grässliches Verbrechen. Alles scheint auf drei Aborigines-Jungs hinzudeuten, aber Cashin ist nicht davon überzeugt...
Nicht recht glücklich wird die Rezensentin Katharina Granzin mit diesem andernorts sehr gepriesenen Kriminalroman des in Südafrika geborenen, in Australien lebenden, über Australien schreibenden Autors Peter Temple. Aber nicht nur - als wäre das nicht genug - um Australien geht es, sondern es wird gleich unter beträchtlichem symbolischen Aufwand ein "pessimistisches Bild für den Zustand der Zivilisation an sich" entworfen. Erzählt wird, eher konventionell im Rahmen des Genres, von einem Polizisten, der sich aufs Land zurückzieht und es mit Aborigine-Jugendlichen unter Verdacht und rassistischen Kollegen zu tun bekommt. Nicht uninteressant, findet Granzin, aber aus dieser "sozialen Grundkonstellation" macht ihr Temple dann zu wenig. Und zuletzt macht er dann zu viel, nämlich zu viel Action und Krach. Das hätte es nicht gebraucht, da hätte sich der Autor lieber auf die Qualitäten, die er zweifellos hat, beschränken sollen. Die aber liegen, so Granzin, in der "konsequenten Lakonie" seiner Beschreibungen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.02.2007
Spät, aber immerhin, urteilt Hannes Hintermeier über das deutsche Debüt des australischen Autors Peter Temple und schickt die Aufforderung an den Verlag hinterher, bitte rasch die anderen sieben Bücher dieses Autors in die Übersetzung zu geben. Anlass dazu besteht für den Rezensenten nicht etwa aufgrund dieser tollen Kriminalgeschichte, sondern des darin versteckten Gesellschaftsromans wegen. Zu selten, findet Hintermeier, wird uns ein Blick auf die australische Gesellschaft und diese ("eindrücklich" ins Bild gesetzte) melancholische Landschaft gewährt. Geschieht das so reduktionistisch und dennoch genau wie bei Temple, findet Hintermeier, wird es Zeit für ein Kennenlernen.
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