Al Gore hat der Präsidentschaft Clintons seinen Stempel aufgedrückt. Der Preis dafür war Zurückhaltung und absolute Loyalität: Je weniger Gore von der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde, desto größer waren die Spielräume, die ihm sein Vorgesetzter einräumte. Jetzt, da für Gore die höchste Position im Staat zum Greifen nahe ist, gelten die Spielregeln, die Gore zum »erfolgreichsten Vizepräsidenten aller Zeiten« (Clinton über Gore) haben werden lassen, nicht mehr. Gore kann sich in keine Nische mehr zurückziehen: Zeit also, das »Mysterium Gore« zu lüften. Peter Neumanns Biographie ist ein intimes Porträt des amerikanischen Präsidentschaftskandidaten - eines Mannes mit vielen Gesichtern: Bauernkind und Senatorensohn, leidenschaftlicher Umweltpolitiker und politischer Opportunist, Intellektueller und Populist, Strippenzieher und Zauderer. Ein wichtiges Buch für alle, die die amerikanische Politik der kommenden Jahre verstehen wollen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.11.2000
Cathrin Kahlweit begrüßt diese pünktlich zu den Wahlen erscheinende Biografie des jetzigen Vizepräsidenten als "eigenwillig, aber meinungsstark". Über den Autor teilt sie uns mit, dass er in London als freier Journalist lebt, d.h. es ist niemand aus dem politischen Umfeld des Präsidentschaftskandidaten. Für Neumann sei Gore ein Sinnsucher, ein Intellektueller, ein Umweltschützer, meint Kahlweit - eigentlich. Denn davor sei er "zunächst einmal Opportunist", schreibt die Rezensentin, als dessen geheime Triebfeder der Autor einen durch den Vater aufoktroyierten und internalisierten Erfolgszwang ausgemacht habe. Neumann spekuliere darum auch über die mögliche Wahl Al Gores zum Präsidenten: sein nächstes Ziel hieße dann Wiederwahl, weshalb Gore als Präsident politisch wenig Mut beweisen werde und erst in einer eventuellen zweiten Amtszeit politisches Engagement in Themen, die ihm eigentlich am Herzen liegen, zeigen dürfte.
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