Anonymus

Im Namen der Ehre

Roman
List Verlag, München 2000
ISBN 9783471794333
                         , 576 Seiten, 22,50 EUR

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 20.05.2000

Rezensent Rolf Paasch blickt zunächst noch einmal zurück auf das erste Buch ("Primary Colors") des Journalisten Joe Klein über den Clinton-Wahlkampf, das zum Bestseller wurde. Dies sei eine "semi-fiktive, spannende und schlüssige Darstellung des grotesken Rennens zum Weißen Haus" gewesen. Den zweiten Roman findet Paasch wesentlich schwächer, und "nie wirklich ergreifend" wie das erste Buch. "Wo der Reporter zum Romanautor werden müsste, wechselt Klein lieber den Handlungsstrang". Zwar lobt Paasch das Talent des Journalisten Klein, den "restringierten Code des amerikanischen Politspeaks" wiederzugeben. Doch Roman und Figuren blieben holzschnitthaft. Da half auch nicht, dass Klein sein Anliegen kürzlich im Springer Journalistenclub in Berlin persönlich dargelegt hat. Der Rezensent ist mächtig enttäuscht, denn von Klein hatte er doch mehr erwartet.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.05.2000

Rezensent Fritz Göttler schildert Joe Klein (alias "Anonymus") mal als politischen Zoologen, mal als Choreograf und lotst den Leser dann durch einen Wirwarr von amerikanischen Namen und Begriffen. Da ist der Protagonist Charlie Martin, ein demokratischer Senator aus Colorado, der als Präsidentschaftskandidat gegen Jack Stanton verlieren wird. Es ist Anfang der Neunziger, und der Gegner Jack Stanton ist kein geringerer als Bill Clinton. In desse semifiktiven politischen Auf- und Abstieg fehlt es nicht an weiteren Bezügen zu realen politschen Personen. Benazir Bhutto sei zum Beispiel tatsächlich das Vorbild für Pinky, Charlie Martin, der Protagonist, trage die Züge des amerkanischen Politiker John McCain. Der Rezensent überzeugt uns Schritt für Schritt, dass der Autor ein Insider sei, auch wenn er sich als distanzierter Beobachter gebe. Joe Klein habe nämlich bereits mit seinem ersten Roman "Primary Colors", den er als "Anonymus" veröffentlichte, auf sich aufmerksam gemacht. In seinen jetzigen "Kommentaren zur politischen Lage in Amerika" zeige er sich als Moralist und Verfechter des gesunden politischen Volksverstandes. Göttler wehrt die Vorwürfe der amerikanischen Kritiker ab, der Roman sei eine Reverenz an Holliwood, und scheint eher Gefallen zu finden am moralisch-melancholischen Politrealismus von Joe Klein.
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