Aus dem Amerikanischen von Uwe Hebekus. Wer über "afrikanische Kunst" diskutiert, begibt sich auf umkämpftes Terrain. Forderungen nach der Restitution von Kulturgütern und Fragen nach einer grundlegenden Revision der bisherigen Sammlungspraxis haben mit der Eröffnung des Humboldt Forums auch die deutsche Öffentlichkeit erreicht. Westliche Interpretationen stehen dabei in spannungsreichem Kontrast zur Praxis und Interpretation afrikanischer Künstlerinnen und Künstler, Wissenschaftlerinnen und Kuratoren, die ihre eigene Vorstellung afrikanischer Kunst zur Darstellung bringen, vertreten und ausstellen. Peter Probst beginnt deswegen mit einer einfachen Frage: Was meinen wir eigentlich, wenn wir von afrikanischer Kunst sprechen? Indem er sich mit den historisch wechselnden Antworten auf diese Frage auseinandersetzt, wird "afrikanische Kunst" als geschichtliches Konzept lesbar, in dem sich umfassende gesellschaftliche Spannungsfelder und Transformationen manifestieren. Das Buch konzentriert sich auf drei Schlüsselphasen. Beginnend mit dem späten 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts stellt Peter Probst zunächst die koloniale Formierung des Feldes als Gegenstand ästhetischer Betrachtung wie auch politischer Machtverhältnisse vor. Anschließend wird seine Transformation zu Beginn der afrikanischen Unabhängigkeit mit der Hinwendung zur zeitgenössischen Kunst und dem Aufstieg der Black Atlantic Studies in den 1970er und 1980er Jahren untersucht. Schließlich steht die post- und dekoloniale Neugestaltung des Feldes im Fokus, die von Fragen der Repräsentation, Revision und Restitution bestimmt wird.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.09.2024
Ein wichtiges Buch zu hochaktuellen Debatten hat Peter Probst geschrieben, freut sich Rezensent Andreas Eckert. Probst führt ein in die Rezeptionsgeschichte der afrikanischen Kunst, erfahren wir, die vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg Schwung aufnahm, als nordamerikanische Wissenschaftler das Thema für sich entdeckten. Eckert geht entlang der Lektüre auf einige wichtige diskursive Entwicklungen ein, wie etwa den hohen Stellenwert, den die amerikanischen Forscher zunächst der traditionellen afrikanischen Kunst zuwiesen, oder der Verbindung von Kunst und nation building im postkolonialen Afrika. Gegenwärtig wird die Debatte von sehr unterschiedlichen Positionen bestimmt, legt der Rezensent mit Probst dar, unter anderem wird das Thema Restitution immer wichtiger. Eine Einschränkung, die Probst laut Eckert selbst anerkennt, betrifft die Tatsache, dass vor allem Diskurse thematisiert werden, die ihren Ort nicht in Afrika, sondern in Nordamerika und Europa haben, weil eben dort immer noch am häufigsten über afrikanische Kunst geforscht wird. Gleichwohl ist das, resümiert Wetzel, ein starkes, methodisch kluges Buch.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 21.09.2024
Ingo Arend empfiehlt das Buch des Kunsthistorikers Peter Probst als neues Standardwerk zum Thema "afrikanische Kunst". Jede Menge Stoff für Debatten um Raubkunst und Restitution findet er hier, außerdem eine würdige Diskussion der Frage nach den soziohistorischen Bedingungen des Begriffs "afrikanische Kunst". Arend verschlingt die drei Kapitel, in denen Probst die Begriffsgeschichte vom Kolonialismus bis heute auffächert und präzise, kenntnisreich und spannend, ohne anzuklagen den widersprüchlichen Prozess von Aneignung und Wertschätzung nachzeichnet.
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