Die Schauspielerin Johanna Hatt in Wien sinniert über ihre Rolle als Geliebte Solveig im "Peer Gynt" am Burgtheater, während sie auf ihren Freund Daniel Tauber wartet. Dieser ist auf der Anfahrt aus der Schweiz, wo er seinerseits mit Jugendlichen den "Peer Gynt" inszeniert. Dort geraten Schüler, eine Lehrerin, deren Vater und weitere Beteiligte in den Sog des Theaters und des Stücks. Wie in Peer Gynts berühmtem Bild von der Zwiebel nähert sich Peter Höners Roman Schale um Schale dem Zentrum. Und je tiefer er eindringt, umso drängender werden die Fragen, wird das Theater zur Welt und die Welt zum Theater, wo sich jugendliche Hoffnungen und gescheiterte Utopien, Flucht in Gewissheiten und Altersrebellion treffen. Und ewig jung bleibt die Frage Peer Gynts: "Wer bin ich?" Oder zählt am Ende doch nur die Liebe?
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 30.04.2011
Peter Höners moderne Adaption von Ibsens "Peer Gynt" hat Rezensentin Beatrice Eichmann-Leutenegger gleich in mehrfacher Hinsicht tief beeindruckt: Die Übertragung von Gynts Identitätssuche auf eine Gruppe Jugendlicher, die zum Ende ihrer Schullaufbahn zunächst lustlos, später voller Elan ein Theaterstück einüben, lasse in ihren "scharf beobachteten" Details nicht nur Höners Erfahrungen im Theaterbereich erkennen, sondern mache auch seine intensive Auseinandersetzung mit Ibsens Gedicht spürbar. Vor allem aber vom kompositorischen Aufbau des Romans ist die Kritikerin fasziniert. Wie es Höner gelinge, jedes einzelne der zehn Kapitel aus der Perspektive einer anderen Romanfigur zu schildern und dabei anspielungsreich die Erfahrungen seiner Protagonisten immer wieder mit denen Peer Gynts zu verweben, findet sie einfach meisterhaft. Wenn etwa die Schülerin Sarina ihre Erlebnisse nach einem Überfall bis zum Suizidversuch beschreibe, gerate die Reproduktion des Werkes aus dem 19. Jahrhunderts für die Hauptfiguren auch zu einer Auseinandersetzung mit eigenen Problemen und Emotionen. Ein "vielschichtiger" Roman, dessen offen gelassene Fragen zum Weiterdenken auffordern, lobt die eingenommene Kritikerin.
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