Peter Härtling

Der Gedankenspieler

Roman
Cover: Der Gedankenspieler
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2018
ISBN 9783462051773
Gebunden, 240 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Am Anfang steht der Stillstand. Johannes Wenger, ein achtzigjähriger alleinstehender Architekt, ist gestürzt und seither auf den Rollstuhl und Pflege angewiesen. Das kratzt an seinem Selbstbild, macht den Alltag mühsam und lässt viel Raum für Einsamkeit und Melancholie. Sein junger Hausarzt Dr. Mailänder jedoch hält dagegen und Wenger am Leben, holt ihn zurück in die Welt und lädt ihn mit seiner Familie zu einem gemeinsamen Osterurlaub ein. Peter Härtling erzählt, wie der grantige Alte auf diese Einladung reagiert, sich der sechsjährigen Tochter des Arztes zuwendet und immer wieder zurückweicht. Und was alles geschehen kann, wenn man mit einem kauzigen Rollstuhlfahrer, der gedanklich in ständigem Austausch steht mit historischen Figuren wie den Architekten Karl Friedrich Schinkel oder Mies van der Rohe, an den Strand von Travemünde reist, hat man sich so nicht vorstellen können. Mit diesem Urlaub aber ist die Reise Wengers nicht zu Ende, sein Gesundheitszustand verschlechtert sich und schwefelgelbe Träume führen ihn in seine Vergangenheit und an die Grenze. Mit viel Gefühl nimmt Härtling seine Leser mit in die Mühsal des Alters, um ihnen dann zu zeigen, welch großes Glückspotenzial auch diese Lebensphase besitzt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 07.04.2018

Judith von Sternburg liest Peter Härtlings posthum veröffentlichten Roman mit Blick auf den Autor und seine Erfahrungen als alter Mann. Das langsame Sterben des Architekten im Buch, der sich laut Sternburg den Sinn für das Kuriose des eigenen Dramas bewahrt, findet sie fein beschrieben, Zeugnis einer "markerschütternden" Zeugnishaftigkeit, wuchtig und detalliert, sprachlich nie aufdringlich und auch nicht zu abgeklärt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.03.2018

Rezensent Steffen Martus bekommt es mit der Angst, wenn selbst ein Peter Härtling alle Zuversicht fahren lässt. Genau das aber macht der Autor in seinem letzten, aus dem Nachlass publizierten Roman um einen alten Grantler und Menschenfeind, dem nur die Kunst heilig ist. Dass Härtling seine Figur keine der vielen möglichen filmreifen Abzweigungen nehmen lässt weg vom Abstieg und dem todsicheren Weg in die totale Vereinsamung, rechnet Martus ihm dann allerdings doch hoch an. Der Autor bleibt seiner Figur treu, meint er.
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