Herausgegeben von Leo A. Lensing und Andrew Barker. Als Peter Altenberg seine Sammlung von Miniaturen "Semmering 1912" schrieb, stellte er für die literarischen Texte ein Fotoalbum zusammen, wobei er die Ansichtskarten und Fotografien sowohl auf der Vorder- als auch auf der Rückseite beschriftete und kommentierte. Dieses Fotoalbum wurde vor kurzem wiederentdeckt. Die 80 Blätter wurden von der Wiener Stadt- und Landesbibliothek liebevoll restauriert; sie werden in Facsimile abgebildet und machen den zentralen Teil des Bandes aus. Die Altenbergschen Texte wurden, der 4. Auflage von "Semmering 1912" folgend, originalgetreu neu gesetzt. Das Buch wird durch einen umfangreichen wissenschaftlichen Teil der Herausgeber abgerundet: Andrew Barker schrieb den literaturhistorischen Essay "Text und Kontext", Leo Lensing "Zur Lektüre eines Albums".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 22.06.2002
Dieser Band vereint Neues und Altbekanntes von Peter Altenberg, und zwar, wie Karl-Markus Gauß meint, trefflich. Die Herausgeber, amerikanische Germanisten, haben zusammengefügt, was zusammengehört, nämlich die Skizzen- und Notatesammlung "Semmering 1912" und ein vom Autor zusammengestelltes Fotoalbum. Zwar stammen die Aufnahmen nicht von ihm selbst, sie kreisen jedoch um dieselbe Person wie viele der Prosatexte, nämlich um die zwölfjährige Klara Panhans, die Altenberg immer wieder als "Heilige" titulierte. Nur acht Aufnahmen zeigen sie selbst, aber die Kirche, in die sie ging, kam ebenso ins Album wie Alpenblumen, mit denen Altenberg - dessen grundsätzliche "prekäre Zuneigung zu jungen Mädchen" der Rezensent nicht verschweigt - Klara vergleichen wollte. Die Herausgeber plädieren mit eigenen Aufsätzen für eine Wiederentdeckung des Autors, der Rezensent scheint sich anschließen zu wollen - für diese "opulente Edition" schwärmt er in jedem Fall.
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