Paulo Coelho

Der Zahir

Roman
Cover: Der Zahir
Diogenes Verlag, Zürich 2005
ISBN 9783257064643
Gebunden, 342 Seiten, 21,90 EUR

Klappentext

Aus dem Brasilianischen von Maralde Meyer-Minnemann. Der Zahir ist die Geschichte einer Suche. Sie handelt von der Beziehung zweier Menschen, die im gleichen Abstand wie Eisenbahnschienen nebeneinanderher leben und einander verlieren. Eine gleichnishafte Erzählung über eine innere und äußere Reise, an deren Ziel jeder sich selbst findet - und vielleicht auch wieder die Liebe. Dies ist die Geschichte eines Mannes, dessen Frau verschwindet. Alles hält er für möglich - Entführung, Erpressung, nur nicht, daß Esther ihn ohne ein Wort verlassen, sich ihm entzogen haben könnte. Die Irritation, die sie verursacht, ist so stark wie die Anziehung, die sie ausübt. Was für eine Form des Lebens führt sie, welches besondere Glück ist ihr, fern von ihm, beschieden? Das Verschwinden von Esther gerät zu etwas, das die Gedanken des Mannes bis zur Besessenheit ausfüllt; es erlaubt auch keine Nähe zu der schönen Marie, die sich in ihn verliebt hat. Der Mann weiß, nur wenn er Esther findet, kann er die Obsession überwinden.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 11.08.2005

Klaus Nüchtern weiß, dass bei Erfolgsautoren vom Schlage eines Paulo Coelho Kritikerurteile nicht zählen, seins möchte er dennoch kurz zu Protokoll gegeben haben: "Millionen von Lesern können irren", stöhnt Nüchtern nach seiner Lektüre, die er vor allem als "peinigend" empfunden hat. Die Handlung ist offenbar recht nebensächlich - die Frau des Erzählers, eine Journalistin verschwindet bei einem ihrer Einsätze in der kasachischen Steppe -, im Vordergrund steht zu Nüchterns Leid die Suche nach dem Sinn des Lebens und dem Kern des Menschen. Zur Erklärung seines Entsetzens zitiert Nüchtern einen Satz vom Ende des Romans, an dem sich die beiden Eheleute wiederfinden: "Mann muss immer wissen, wann ein Lebensabschnitt zu Ende geht. Indem man Kreise und Türen schließt, Kapitel abschließt."

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.06.2005

Der brasilianische "Eso-Schwadroneur" Paul Coelho habe mit seinem neuen Buch eine "Eso-Romanze" in einem "ungenießbaren Esolekt" vorgelegt, wie Rezensent Stephan Maus sich auszudrücken beliebt. Aus dessen polemischen Kaskaden gegen Coelho lässt sich immerhin Folgendes über die Handlung des Romans extrahieren: Die Kriegskorrespondentin Esther lernt den kasachischen Epileptiker Mikhail kennen, der über übersinnliche Kräfte verfügt und Esther das Ende ihrer Ehe mit einem Autor von spirituellen Bestsellern prophezeit, woraufhin sie verschwindet. Bei ihrem Ehemann sei daraufhin ein Zuwachs an Lebensfreude zu verzeichnen, obwohl die verschwundene Frau ihm "zur Obsession" werde, bis er Esther schließlich wiederfindet. Euphemistisch formuliert 'kritisiert' Maus sowohl den Plot, die Charaktere, den Stil und den Gehalt des Werkes und spart auch nicht mit Spott über den realen Autor, den er in der Figur von Esthers Ehemann abgebildet findet.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 07.05.2005

Rezensent Gerrit Bartels ist ein bisschen überrascht von diesem Buch - nicht, weil es, wie er betont, sich stilistisch oder inhaltlich davon unterscheidet, was man vom Erfolgsautor Paulo Coelho erwarten darf. "Spirituellen Schmus" und "hölzerne, von Gleichnissen und Wort-zum-Sonntag-Sentenzen nur so strotzende Dialoge" findet man auch in diesem Roman. Aber erstaunlich findet der Rezensent, dass der Autor diesmal viel von sich Preis gibt - die Hauptfigur ist für Bartels offenkundig autobiografisch angelegt - und nebenbei zu Schimpftiraden auf den Literaturbetrieb, insbesondere auf die Kritiker ausholt. Daraus schließt Bartels, dass "den Bestsellerautor Coelho die fehlende Zuneigung der Kritik härter anzugehen scheint als gedacht". Und so fühlt sich Bartels sogar besser unterhalten als erwartet: " Als Kritiker- und Betriebsbeschimpfer ist Coelho eben viel sympathischer als ewig Erleuchteter". Nur leider musste sich der Rezensent trotzdem durch den unerfreulichen Rest beißen. Es "ist wieder alles drin, was Coelhos Romane über den miesen Stil hinaus so quälend macht."
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