Paula Fox

In fremden Kleidern

Geschichte einer Jugend
Cover: In fremden Kleidern
C. H. Beck Verlag, München 2003
ISBN 9783406502712
Gebunden, 287 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Susanne Röckel. Mit 3 Fotos. Paula Fox hat ein Buch der Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend vorgelegt. Es erzählt von dem Kind, das von den Bohemien-Eltern nach der Geburt in ein Waisenhaus in New York gebracht, aber dann von einem armen, kultivierten Pastor, Uncle Elwood, zu sich geholt wird. Sporadisch tauchen die Eltern auf, der charmante, dem Alkohol zugetane Vater, der Drehbücher schreibt, und die Mutter, eine Schauspielerin, deren Kälte und Gleichgültigkeit so groß sind, dass Paula Fox sich fragt, wie sie überhaupt ein Kind bekommen konnte. Die Eltern verfrachten ihre Tochter von einem exotischen Ort zum anderen. In New York lebt sie bei ihrer passiven spanischen Großmutter. Auf Kuba ist sie sich auf der Zuckerrohr-Plantage einer entfernten wohlhabenden Verwandten mehr oder weniger selbst überlassen. Sie lebt in Florida, dann in Kalifornien am Rande der glitzernden Welt von Hollywood.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 25.02.2004

Wer die in jüngster Zeit bei uns erschienenen Romane von Paula Fox kennt, der wird in ihrer jetzt erschienenen Autobiografie "gute Bekannte" treffen, verspricht Barbara von Becker. Sowohl der amerikanisch-kubanische Familienzweig in "Lauras Schweigen" scheine direkt Fox' eigener Familie entsprungen zu sein, wie auch die junge Frau Annie in den "Kalifornischen Jahren", die von Becker wie das Alter Ego der Autorin erscheint. Bis in beinahe "identische Formulierungen" hinein will es von Becker so vorkommen, als ergeben Romane und Autobiografie ein "Amalgam aus Fiktion und Realität". Die inzwischen 80-jährige Autorin richte ihren Blick ohne Zorn zurück, sagt von Becker, Fox schildere mit beinahe ethnologischem Interesse das absonderliche Verhalten der Eltern, die dem Mädchen ein ständiges Hin und Her zwischen Waisenhaus, Adoptivfamilie, der kubanischen Zuckerrohrplantage der Großmutter und ihrem eigenen exzentrischem Lebensstil zumuteten, eine wahre Odyssee, die für normale Adoleszenzprobleme gar keine Zeit ließ. Nur manchmal klingt unter dem distanzierten Ton auch ein Hauch Verwunderung durch, wie es Fox gelungen sei, diese tiefe Erfahrung von Verlorenheit zu überstehen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.04.2003

Umziehen kann auch ein Fluch sein, vor allem wenn man es so oft tun musste wie das Kind Paula Fox. Die 1923 geborene Schriftstellerin erzählt die Geschichte ihrer eigenen "harten, bewegten Kindheit ohne Selbstmitleid", befindet Felicitas von Lovenberg. Als eine "unbestechliche Beobachterin der Einsamkeit zu zweit" setze sie aus Erinnerungsfragmenten und aufschlussreichen Episoden das "düstere Bild ihrer Jugend erbarmungslos" zusammen. Dabei bleibe Paula Fox auch da "bescheiden", wo andere Schriftsteller "gern den Ursprung ihres Schreibens in den Vordergrund rücken" wollen, lobt die Rezensentin. Dem Leser ihrer Werke werde vieles vertraut erscheinen, vermutet die Rezensentin, so zum Beispiel "das stete gedankliche Umkreisen der unsichtbaren, grausamen Macht der Mutter" oder das Motiv der geborgten Identität, dass die Autorin beim Tragen gebrauchter Kleider empfindet. Der Sprache Paula Fox bescheinigt eine begeisterte Lovenberg "intuitive Musikalität", durch die der Autorin "immer wieder Wunder an Verdichtung aus unverfälschter , reiner Prosa" gelängen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.03.2003

Paula Fox' Autobiografie ist, so Hans-Peter Kunisch, das Zeugnis einer "versehrten Jugend": Um ein Kind, das immer wieder abgeschoben wird, geht es, um ein Aufwachsen, von dem niemand richtig Notiz nimmt, um die stillen Brutalitäten, die das seltsame, unverständliche "Schauspiel" auf sich selbst bezogener, fremder Eltern für die unbeachtete Tochter abwerfen. Die zurück blickende Erzählerin versteht das alles immer noch so wenig wie ihr junges Selbst, und das ist gut so, findet Kunisch. Denn die Perspektive des Buches sei die des Mädchens, seine Sprache jene, die Fox' späten Ruhm begründete: "ebenso direkt wie genau". Kunisch hebt zudem die "kluge Dramaturgie" des Buches hervor, eines "geradlinigen, grausamen Buches", dem ein Attribut wahrhaftig zugehöre, das zu oft verliehen werde. Es ist, so Kunisch, berührend.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 20.03.2003

Ganz überzeugt ist Günter Ohnemus nicht von Paula Fox' neuem Buch, in dem sie sich an ihre traurigen Jugendjahre erinnert - die Mutter, Schauspielerin, hat sie ins Waisenhaus gegeben, der Vater, ein an der Flasche hängender Drehbuchautor, taucht zwar immer wieder auf, ist aber nicht sonderlich zuverlässig. Ganz großartig findet Ohnemus einige Stellen, in denen Fox geschafft hat, die Fremdheit von Kindern in der Welt zu fassen. Nach eigenem Bekennen hat er sie zwei-, dreimal gelesen. Andere Passagen wiederum erwecken bei unserem Rezensenten den Eindruck, Fox habe alles aufgeschrieben, was ihr gerade einfallen sei, denn Sinn machen sie oftmals für ihn nicht. Dies findet er umso bedauerlicher, als Fox mit "Was am Ende bleibt" bereits einen präzisen, eleganten Roman geschrieben hat, in dem fast kein Wort zu viel und fast keines zu wenig stand.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 27.02.2003

Angela Schader beschreibt mit spürbarer Betroffenheit die Kinder- und Jugendjahre der amerikanischen Autorin, die mit 75 Jahren ihre Autobiografie geschrieben hat. Die ganze Trostlosigkeit einer Kindheit wird von der Rezensentin in der Rekapitulation der trüben Jahre, die durch ständiges Abschieben des Kindes Paula zu irgendwelchen Bekannten oder in Heime und Internate Jahre geprägt waren, eindringlich beschrieben. Dabei sieht sie den Grund für das Vorherrschen kurzer Passagen in "Rückblenden" und "Schlaglichtern" auf Berühmtheiten in der "Zerrissenheit" von Fox' Jugend. Schader entdeckt in der Autobiographie einen "Steinbruch" für die Romane der Autorin, denn sie hat Erlebnisse aus ihrem Leben insbesondere in "Kalifornische Jahre" und "Lauras Schweigen" verarbeitet, führt die Rezensentin aus. Sie wirkt sehr angetan und berührt von dem Buch und lobt auch die Übersetzung ins Deutsche als "versiert".