Paul Theroux

Burma Sahib

Roman
Cover: Burma Sahib
Luchterhand Literaturverlag, München 2025
ISBN 9783630877969
Gebunden, 592 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Cornelius Reiber. Die faszinierende Lebensgeschichte des jungen George Orwell: Die Verwandlung des Eton-Absolventen und Kolonialpolizisten im Burma der 1920er Jahre in den schärfsten Kritiker unserer Zeit.  Im Alter von neunzehn Jahren schifft sich der Eton-Absolvent Eric Blair im Herbst 1922 nach Rangun ein. In Burma soll er als Beamter der britischen Kolonialpolizei ausgebildet werden. Doch schon kurz nach seiner Ankunft kommen dem hochgewachsenen, scheuen jungen Mann Zweifel an seiner bevorstehenden Aufgabe. Er, der feingeistige Offiziersanwärter, verabscheut die Überheblichkeit und skrupellose Willkür der Briten, ihren unverhohlenen Rassismus. Blair wird unweigerlich zum Außenseiter, macht sich damit zum Gespött seiner Landsleute. Als er ins schwülheiße Schwemmland des Irawadi-Deltas versetzt wird, um Nachforschungen über den Tod eines Mannes anzustellen, überwältigt ihn das Gefühl, für seine Aufgabe als Kolonialpolizist nicht geschaffen zu sein. Und zugleich erschreckt und beschämt ihn, wie er beginnt, sich in die von ihm erwartete Rolle zu fügen. Die Erkenntnis, am Ende selbst zu den Unterdrückern zu gehören, schockiert ihn. Und er trifft eine folgenreiche Entscheidung.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.09.2025

Mutig und durchwachsen findet Rezensent Bernd Eilert diese fast 600-seitige "Romanbiographie" des amerikanischen Schriftstellers Paul Theroux über die Zeit des jungen George Orwell als Polizeibeamten der britischen, heute Myanmar umfassenden Kolonie Burma. Der Roman versuche in den Erfahrungen seines damals noch unter seinem bürgerlichen Namen Eric Blair auftretenden Helden einen Grund für Orwells späteren "lebenslangen Hass auf das britische Empire" zu finden. Ein Unterfangen, das für Eilert nicht in Gänze aufgeht, zumal Orwell selbst mit "Burmese Day" einen Roman über genau diese Zeit vorlegte. Eilert ringt mit Theroux' routiniertem Beschreibungstalent, das er zuweilen in seiner Genauigkeit als ermüdend empfindet, aber auch als notwendig ansieht, um das "koloniale Unrecht", das die einheimische Bevölkerung durch die Briten erfährt, zu betonen. Genauso unsicher bleibt Eilert bei der Beurteilung der Stellung des fiktionalisierten Orwell, der zwar innerlich an die Opfer denkt, äußerlich aber nie eigenständig eingreift. Es sei schwer Mitleid für diesen statischen Protagonisten zu empfinden, der Eilert an Kafkas Josef K. erinnert. Trotz der Aktualität des Romans, der Einblicke in die Mechanismen des heute noch von einer Militärdidaktur beherrschten Myanmars liefert, bleibt Eilert lieber bei den Texten Orwells. 

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 22.07.2025

"Was für ein Buch", jubelt Rezensent Marko Martin nach der Lektüre des neuen Romans des Amerikaners Paul Theroux, der ihm hier erzählt, wie aus dem jungen Eton-Absolventen Eric Blair der berühmte George Orwell wurde. Vom Vater im Jahr 1922 ins damalige Burma zur Polizistenausbildung geschickt, fühlte sich der junge Blair fremd unter den britischen Kolonialherren, durchschaute zudem die Hierarchien nicht - passte sich aber zunächst an, indem er zahlreiche Affären mit einheimischen Frauen, Hausangestellten und Prostituierten einging und Auspeitschungen und Verhaftungen von einheimischen Straftätern befahl, resümiert der Kritiker. Jene Jahre, die Orwell später in seinem Roman "Tage in Burma" fiktionalisierte und die Michael Shelden in seiner Orwell-Biografie recherchierte, hat Theroux nun zu einem virtuosen Roman gefasst, freut sich Martin. Auf knapp sechshundert Seiten schenkt der Autor dem Kritiker eine spannende Mischung aus psychologischem Feingefühl, Präzision, temporeichen Dialogen, genauer Kenntnis des Landes und "sensualistischer Sensibilität". Für Martin schlicht ein "Meisterwerk". 

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 04.07.2025

Rezensent Michael Schmitt bewundert, wie Paul Theroux die Fakten aus dem Leben des jungen George Orwell zu einer fesselnden Charakterstudie verarbeitet. Wie aus Orwell der weltbekannte Schriftsteller wurde, erzählt der Autor laut Schmitt entlang der frühen kolonialen Erfahrungen Orwells in Burma und seiner Rolle zwischen Anpassung und Auflehnung, zwischen der Pflicht als Kolonial-Polizeibeamter und der Sympathie mit dem Land und seinen Bewohnern. Ein wuchtiger Roman, findet Schmitt.