180 Kilometer wandert Paul Scraton entlang der Berliner Stadtgrenze. Die Lesenden folgen den Wegen des Wahlberliners, die sie entlang der Trennungslinie zwischen Stadt und Land führen. Scraton beschreibt die Außenbezirke, die niemanden interessieren, über die sonst niemand ein Wort verliert, außer, dass es dort grau und trostlos sei. Doch gerade in den unscheinbarsten Ecken, sei es in der Gropiusstadt, in Spandau oder Tegel, entdeckt er eine Vielfalt an Geschichten und Geschichte, die selbst er nicht für möglich gehalten hätte. Am noch immer nicht fertiggestellten Berliner Flughafen, an den Hinterausgängen von Megamärkten und Outlet-Centern, den ausgedehnten Industriebrachen, zwischen den sporadischen Flüchtlingsunterkünften des 21. Jahrhunderts, und den halb zerfallenen Gedenktafeln für an der Mauer Gestorbene - überall findet er Erstaunliches und vitales Treiben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.07.2020
Rezensent Peter Geimer bekommt Lust, die Ränder der Städte zu erkunden mit Paul Scratons Buch. Der Autor versteht es laut Rezensent, abseits von Berlins quirliger Mitte auf Spannendes zu stoßen, auf Füchse und Hühner, Traktoren, Sofas und ausrangierte Flugzeuge. Oder auf Otto Lilienthals Hügel. Dass die urbanen Randzonen voller Überraschungen sind, kann der Autor vermitteln, versichert Geimer, der Scraton bereitwillig folgt - nach Gropiusstadt, in Schrebergärten, nach Spandau und Köpenick. Und noch etwas stellt Geimer beim Lesen entzückt fest: Die Zeit scheint an den Rändern langsamer zu vergehen, zumindest, wenn Scraton, der selbstredend zu Fuß unterwegs ist, ihr in Text und Fotografie begegnet.
Rezensent Detlef Kuhlbrodt mag gar nicht nachzählen, wieviele Berlin-Bücher es inzwischen gibt. Aber dieses ist anders, versichert er. Denn der englische Autor Paul Scraton, der seit 2001 in Berlin lebt, nimmt den Kritiker mit in die Randbezirke der Stadt und fördert dabei Überraschendes zutage. In zehn Spaziergängen umrundet Scraton Berlin, wandert in Tegel zu den Statuen von Wilhelm und Alexander Humboldt, zu den Rieselfeldern zwischen Lübars und Ahrensfelde oder in die "Intelligenzsiedlung" nach Waltersdorf, informiert der Rezensent. Gespräche mit Bewohnern und Stadtrandfotos runden den Band ab, freut sich Kuhlbrodt.
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