Oskar Bätschmann

Giovanni Bellini

Meister der venezianischen Malerei
Cover: Giovanni Bellini
C. H. Beck Verlag, München 2008
ISBN 9783406570940
Gebunden, 225 Seiten, 58,00 EUR

Klappentext

Mit 104 S/W- und 82 Farbabbildungen. Giovanni Bellini (ca. 1435/38-1516) gilt mit seinen Schülern Giorgione und Tizian als Begründer der Renaissancemalerei in Venedig. Er arbeitete für Dogen und Fürstenhäuser; er erfand die venezianische "Sacra Conversazione" und schuf Porträts sowie allegorische und mythologische Bilder. Oskar Bätschmann zeichnet das Leben Giovanni Bellinis nach, schildert dessen Arbeitsweise und stellt das Gesamtwerk mit Blick auf den historischen und sozialen Kontext vor. Wie positionierte sich Giovanni Bellini als eigenständiger Künstler neben seinem Vater Jacopo, seinem Bruder Gentile und seinem Schwager Andrea Mantegna? Er modernisierte traditionelle Sujets wie die Madonna mit dem Kind, importierte das flämische Porträtschema und entwickelte den venezianischen Bildtypus der "Sacra Conversazione"(die Versammlung der Heiligen um den Thron der Madonna). Giovanni Bellini wies der Landschaft im Bild eine neue Bedeutung zu und entwickelte eine einzigartige Farbenharmonie in Analogie zur musikalischen Harmonie. Als einer der Ersten in Italien wechselte er von der Tempera zur Technik der Ölmalerei, die von Flandern nach Italien importiert wurde. Bereits zu Lebzeiten erlangte er großen Ruhm weit über Venedig hinaus.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.09.2009

Für den begeisterten Jürgen Müller füllt Oskar Bätschmann mit seiner im letzten Jahr erschienenen Monografie des Renaissancemalers Giovanni Bellini eine Leerstelle der deutschsprachigen Forschung. Glänzend habe der Kunsthistoriker die fremde Welt des Malers erschlossen, die Traditionen, in der seine Kunst steht, und die Modernität seiner Malerei herausgearbeitet, so Müller. Überschwänglich preist der Rezensent Klarheit, Sachverstand und das Streben Bätschmanns, sich nicht in Detailproblemen zu verlieren, sondern eine Gesamtschau von Leben und Werk Bellinis zu bieten. Dass er sich dabei gar nicht erst mit Datierungsfragen der Gemälde befasst, was bei Bellini bekanntermaßen schwierig sei und direkt ins Reich der unbelegbaren Spekulationen führe, lobt Müller zudem als weise Entscheidung. Und so lerne der Leser Bellini als Künstler kennen, dem es besonders in seinen religiösen Werken um eine intensive Gefühlssteigerung beim Betrachter ging, der mit "extremem Illusionismus" versuchte, die Grenze zwischen Betrachter- und Bildraum aufzuheben und sich in seiner Kunst als humanistisch beschlagener, moderner Maler ausweist, so der Rezensent fasziniert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 26.08.2008

Dieser Band hat Arno Widmann für die Schönheit Bellinis die Augen und die Ohren geöffnet. Was umso bemerkenswerter ist, als die Abbildungen in diesem Band nach Angaben des Rezensenten recht unglücklich sind. Trotzdem: Dem Rezensenten die Augen geöffnet hat der Kunsthistoriker Oskar Bätschmann mit seiner Schilderung von den Schlachten, die Bellini im Kampf um die Freiheit der Kunst gegen seine Mäzenin, die Fürstin Isabelle d'Este, schlagen musste. Oder mit seiner Beschreibung der Arbeit in einer Malerwerkstatt, in der handwerkliches Geschick und eigene Bildsprache sehr genau austariert werden mussten. Vor allem aber hat Bätschmann dem Rezensenten gezeigt, welch Ruhe in Bellinis Bildern liegt. So genau zeichnete Bellini die Wirklichkeit, das Widmann sogar die Lautlosigkeit vernehmen konnte: "Zu spüren ist alles, zu hören nichts."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.07.2008

Der bildungsbürgerliche Untertitel konnte Christine Tauber nicht abschrecken. Belohnt wird sie mit einer Gesamtdarstellung zu Bellini, die ihr vor allem durch ihre Geradlinigkeit imponiert. Pointiertes und Kluges findet Tauber sowie eine opulente Bebilderung, die die hier präsentierte künstlerische Leistung Bellinis sowie Einflüsse und Vorbilder seines Schaffens illustriert. Dass Oskar Bätschmann den Fokus auf die ästhetischen Probleme und das Selbstverständnis des Malers legt und die Chronologie wie Biografisches in den Anhang verbannt, rechnet Tauber dem Autor hoch an. Gespannt verfolgt sie Bätschmanns Ausführungen zur Entwicklung der Bellini-Werkstatt, zu den musikalischen Aspekten in Bellinis Kunst und zu der von ihm verfolgten Aufwertung freien künstlerischen Schaffens. Dass es dem Autor darüber hinaus gelingt, Bellinis Bilder mit seinen Beschreibungen lebendig werden zu lassen, ohne sie ihrer Offenheit zu berauben, empfindet die Rezensentin als echte Qualität des Buches.
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