Mit "MW" legt Carlsen das wohl düsterste Werk Osamu Tezukas, des Erfinder des modernen Manga, erstmals als deutsche Ausgabe vor. Darin erforscht Tezuka die dunklen, schmerzhaften Facetten menschlicher Eigenschaften, von religiöser Scheinheiligkeit bis hin zum Sadismus. Im Mittelpunkt der Geschichte: ein Bankangestellter mit zwei Gesichtern und ein Priester, zu dem er sich auf geheimnisvolle Art hingezogen fühlt... Der Schöpfer von Werken wie "Kimba" und "Buddha" zeigt sich hier stark beeinflusst vom harten Realismus der Gekiga-Bewegung und entwirft einen der atemberaubendsten Thriller der modernen Manga-Historie, der auch Jahrzehnte nach seiner Entstehung nichts von seiner Faszination verloren hat.
Ralph Trommer empfiehlt den Manga-Thriller von Altmeister Osamu Tezuka als anspruchsvolle Lektüre, die in die Zeit der US-amerikanischen Besatzung Japans zurückführt. Die als Fortsetzungsgeschichte erschienene Story um die realen Ereignisse eines Chemiewaffenunfalls auf der Inselgruppe Okinawa und die Folgen erzählt der Autor laut Trommer äußerst spannend als moralisch-politischen Pageturner, garniert mit sexuell ambivalenten Figuren. Mit seiner Darstellung von Sexualität und Gewalt überschritt Tezuka seinerzeit ebenso Grenzen wie mit seinem filmischen Stil und psychologischer Tiefe, betont der Rezensent.
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