Olivier Roy

Der islamische Weg nach Westen

Globalisierung, Entwurzelung und Radikalisierung
Cover: Der islamische Weg nach Westen
Pantheon Verlag, München 2006
ISBN 9783570550007
Kartoniert, 350 Seiten, 12,90 EUR

Klappentext

Die Radikalisierung des Islam halten viele für eine Antwort traditioneller muslimischer Gesellschaften auf die Moderne. Doch diese Deutung ist falsch. Der Islamforscher Olivier Roy zeigt, dass der islamische Fundamentalismus selbst ein Produkt der Verwestlichung ist. Nur wer die Krise des globalisierten, kulturell entwurzelten Islam begreift, wird gesellschafts- und sicherheitspolitisch erfolgreich handeln können. Nach den jüngsten Krawallen in Frankreich, den Bombenattentaten in London und der Ermordung des niederländischen Regisseurs Theo van Gogh stellt sich verschärft die Frage nach der Radikalisierung des Islam. Olivier Roy zeigt, dass alle Versuche, den Islam als eine "Gemeinschaft der Gläubigen" staatlich zu verankern, gescheitert sind. Doch der islamische Fundamentalismus findet in Europa täglich neue Anhänger. Von seinen kulturellen und regionalen Ursprüngen hat sich dieser globalisierte Islamismus längst entfernt. Er ist zu einem Phänomen junger Muslime geworden, die in zweiter Generation in Gesellschaften leben, in denen sie sich als Fremde fühlen. Ihre Forderungen nach einem reinen und authentischen Islam sind jedoch Ausdruck einer westlich inspirierten, individuellen Sinnsuche.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 05.08.2006

Keineswegs, so die vom Rezensenten vorbehaltlos unterstützte These des Islamwissenschaftlers Olivier Roy, ist der islamische Fundamentalismus eine Sache reiner Rückwärtsgewandtheit. Im Gegenteil. Vielmehr handle es sich um eine durch und durch moderne Reaktion auf ein Gefühl der Entwurzelung. Gerade wo die Selbstverständlichkeit traditioneller Religion fehle, wird überkompensiert. Der "reine Islam", von dem die jungen Fundamentalisten träumen, hat nie existiert, er ist eine Vision, die sich dem Gefühl verdankt, isoliert zu sein, und keineswegs einem Heimatgefühl. Roy belegt dies unter anderem an vielen "Islamistenkarrieren", die der Bruch mit alten Bindungen auszeichnet. So anregend und richtig Misik die Argumente des Autors findet, so wenig hält er von seinen Qualitäten als Didaktiker - das Buch sei leider ein ziemliches Durcheinander, was freilich an der Klugheit der Ausführungen überhaupt nichts ändere.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 20.07.2006

Hocherfreut begrüßt Rezensent Michael Thumann, dass Oliver Roys schon vor vier Jahren im fanzösischen Original erschienenes Buch nun auch auf Deutsch zu haben ist. Denn aus seiner Sicht "zerpflückt" es "den Setzkasten von Vorurteilen" und den hierzulande von Essayisten wie Hans Magnus Enzensberger "gern verbreiteten Unfug" über die Ursachen des islamistischen Terrors. Roy suche die Ursachen dieses Terrors nicht im Koran, sondern in der Pervertierung des Islams in westlichen Metropolen, wo sich von ihren Wurzeln entfremdete Muslime ihren eigenen radikalen Islam zusammenbasteln würden. Der radikale Islam sei Roys Sicht zufolge daher eher ein Produkt der Globalisierung, ein Produkt einzelner Gruppen, die nicht mehr an ein bestimmtes Territorium, eine bestimmte Kultur gebunden seien. Daher mache es auch keinen Sinn, zur Terrorbekämpfung einzelne Staaten anzugreifen, schreibt Thumann, der alle Thesen dieses Autors überzeugt unterschreibt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.07.2006

Oliver Roys Befund, der islamische Fundamentalismus stelle selbst eine Verwestlichung des Islam dar, ist für Jörg Später zunächst erstaunlich, er zeigt sich aber mehr und mehr von der Argumentation des Autors überzeugt. Roy macht "kulturelle Entwurzelung" und "Entterritorialisierung" für diese Entwicklung verantwortlich und sieht im Islamismus vergleichbare Tendenzen wie bei den Evangelikalen in den USA oder der Neuen Linken in Europa am Werk, so der Rezensent interessiert. Nach Ansicht des Autors ist ein verstärktes Streben nach Tradition immer schon ein Zeichen von Modernisierung und Verwestlichung, eine Auslegung, die der Rezensent zwar nicht "zwingend", aber durchaus bedenkenswert findet. Insgesamt lobt er die vielen klugen Einsichten des Autors und attestiert ihm, mit seinem Buch das Wesentliche an der modernen Entwicklung des Islam aufzuzeigen.
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