Oliver Sacks

Briefe von Oliver Sacks

Cover: Briefe von Oliver Sacks
Rowohlt Verlag, Hamburg 2025
ISBN 9783498001742
Gebunden, 1008 Seiten, 48,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Hainer Kober, herausgegeben von Kate Edgar. Oliver Sacks ist ein "Man of Letters". Ein Literat, ein Erzähler, ein Autor. Aber er ist es auch ganz wörtlich: ein Mann, der viele Briefe geschrieben hat, an ganz unterschiedliche Menschen. Die meisten waren Wissenschaftler, Künstler, Schriftsteller und sogar Staatsmänner: Francis Crick, Antonio Damasio, Jane Goodall, W. H. Auden, Susan Sontag, Stephen Jay Gould, Björk und sein Cousin ersten Grades, Abba Eban. Viele der eindrucksvollsten Briefe in dieser Sammlung sind jedoch an die Menschen gerichtet, die ihm von ihren erstaunlichen Symptomen berichtet haben. Durch die Augen von Oliver Sacks sehen wir die Anfänge der modernen Neurowissenschaften und folgen den Gedankengängen eines der großen Intellektuellen unserer Zeit, dessen Sicht auf das Leben und seine Patienten stets von überbordender Neugierde und Nächstenliebe geprägt war. Die umfangreiche Briefsammlung offenbart Oliver Sacks' Leidenschaft für das Leben und seine Arbeit und zeigt "den Astronomen des Inneren" wie er staunend in die Prozesse des Geistes eintaucht.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 02.08.2025

Eine ziemlich umfassende und hymnische Besprechung widmet Rezensent Oliver Jungen den nun auf rund 1000 Seiten erscheinenden Briefen des berühmten "Pop-Neurologen" Oliver Sacks, der ihm schon aus anderen Veröffentlichungen als zugewandter, interessierter, reflektierter Zeitgenosse bekannt ist. Am bekanntesten ist wohl sein Buch über die Patienten mit Europäischer Schlafkrankheit , die er wieder zum Leben erweckte, so Jungen. Schon dort zeigten sich ihm das literarische Talent des Arztes und sein großes Einfühlungs- und Vorstellungsvermögen. Mit den Briefen verhält es sich nicht anders, versichert der Kritiker. Sie dokumentieren aber nicht nur Sacks Forschungsinteressen, sondern auch, welche Probleme er von Depressionen bis zur mangelnden Akzeptanz seiner Homosexualität selbst mit sich herumgetragen hat, erfahren wir. Jungen kann die Lektüre der geist- und assoziationsreichen Briefe nur empfehlen.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 14.06.2025

Recht amüsiert schreibt Rezensent Michael Pilz über diese umfangreiche Edition der vielen, vielen Briefe, die Oliver Sacks in seinem Leben geschrieben hat. Der Arzt und Autor, der als einer der Pioniere des Genres der von ihm sogenannten "Patografie" gilt, literarisierter Krankengeschichten, hatte, so Pilz, zeitlebens wie ein Besessener geschrieben, editiert wurde das Vorliegende Buch nun von der Lektorin Kate Edgar, die dafür nicht weniger als 200.000 Bögen durchgesehen hat. Die Briefe haben einen ganz anderen Tonfall als die Bücher, die Sacks geschrieben hat, meint Pilz, sie sind Zeugnis manischer Schriftproduktion, manchmal durchsetzt mit Metaphern zum Beispiel sexueller Natur, die den Leser eher peinlich berühren. Auch die vielen Briefe an Prominente wie Björk oder Robin Williams sind für Pilz nicht ganz frei von Fremdschammomenten in ihren pathetischen Formulierungen. Gleichwohl scheint die Lektüre anregend zu sein, für Pilz fügen sich die Briefe zum Bild eines Menschen, der sich selbst als "moderne Renaissance-Gestalt" betrachtete, als jemand, der die Spaltung von Wissenschaft und Alltag, Körper und Geist in seinem Schreiben überwinden konnte. Ein wenig irritierend, aber reichhaltig ist das Buch, so könnte man die Rezension zusammenfassen.