Oliver Rathkolb

Die paradoxe Republik

Österreich 1945 bis 2005
Cover: Die paradoxe Republik
Zsolnay Verlag, Wien 2005
ISBN 9783552049673
Gebunden, 460 Seiten, 25,90 EUR

Klappentext

Vom "Bollwerk des Deutschtums im Osten" über die "Brücke zwischen den großen politischen Blöcken" zur "Insel der Seligen" und zuletzt zum Außenseiter der EU: In den vergangenen Jahrzehnten haben die Bilder, in denen sich Österreich spiegelte, gewechselt - in Balance zwischen Größenwahn und Minderwertigkeitskomplex, zwischen Engagement, Erfolg und Isolation. Der Historiker Oliver Rathkolb analysiert in zehn Kapiteln Kernthemen österreichischer Politik und Zeitgeschichte in den letzten sechzig Jahren. Darüber hinaus zeichnet er die Profile der Kanzler und wirft einen kritischen Blick auf die Perspektiven der Zukunft.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.12.2005

Instruktiv findet Rezensent Christian Jostmann dieses Buch über die "paradoxe Republik" Österreich von Oliver Rathkolb. Der Autor, Herausgeber von Kreiskys Memoiren und Direktor des Boltzmann-Instituts für Europäische Geschichte und Öffentlichkeit, greife gezielt jene Inhalte der Geschichte heraus, die bis heute die österreichische Identität prägen - Neutralität, Wirtschaftswunder, Wohlfahrtsstaat, Demokratie - , und unterziehe sie einer "kritischen Analyse". Er diagnostiziere an seinen Landsleuten eine "Verschweizerung in den Grundmentalitäten", die in Zeiten von Globalisierung und Europäisierung Anpassungsprobleme erzeuge. Überdies halte er Österreich eine verzerrte Wahrnehmung der außenpolitischen Gestaltungsmöglichkeiten vor, die zwischen Minderwertigkeitsgefühl und maßloser Selbstüberschätzung schwanke.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 26.11.2005

Eine gut lesbare und profunde Analyse der jüngeren österreichischen Zeitgeschichte hat der renommierte österreichische Historiker Oliver Rathkolb geschrieben, resümiert Rezensentin Eva Linsinger zufrieden. Dabei konzentriere sich der Verfasser auf Kontinuitäten und Widersprüche, die aus einer spezifischen "politischen Kultur, Demokratie- und Wirtschaftsentwicklung" resultieren. Ausgehend von der Grundthese, dass die Verquickung aus einem "latent autoritären Potenzial" und der spät einsetzenden Aufarbeitung der NS-Zeit eine paradoxe Konstellation ergibt, die sich im Selbstbild als "Opfer" manifestiert, arbeite sich der Autor durch das österreichische Dickicht. Von der herausragenden Position der "Kronenzeitung" über die Euro-Skepsis in der Bevölkerung bis zum ökonomischen Selbstverständnis als "Inselwirtschaft der Seligen", verstehe es Rathkolb in konzentrischen Kreisen einen Bogen zu schlagen, staunt Linsinger, der sich in sorgfältigen Detailanalysen widerspiegelt und dem Leser einen kritischen Erkenntnisgewinn bescheren.
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