Olga Flor

Erlkönig

Roman in 64 Bildern
Cover: Erlkönig
Steirische Verlagsgesellschaft, Graz 2002
ISBN 9783854890669
Gebunden, 174 Seiten, 21,50 EUR

Klappentext

In einem Reigen von 64 Bildern erschafft Olga Flor ein oszillierendes Sittenbild zweier Generationen. Die ältere Generation, personifiziert in den Figuren des Unternehmers Karl-Adolf Maier-Meienstein und seiner schmallippigen Frau, beharrt auf dem Erreichten. Die Haltung verliert man unter keinen Umständen, es sei denn, man kippt in den Wahnsinn. Die Lebensentwürfe der jüngeren Generation verbleiben innerhalb des bloß Reaktiven: Sie schwanken zwischen den Verweigerungsversuchen des Sohnes Titus und der Angepasstheit Elisabeths, der Nichte Karl-Adolfs, deren Ehrgeiz bis zur Selbstverleugnung geht. Das Scheitern der Protagonisten ist vorprogrammiert, die klassischen Muster funktionieren nicht mehr und vermögen keinen Halt zu geben.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.04.2004

Aus dem Stoff dieses Romans von Olga Flor wäre im 19. Jahrhundert eine "dicke Familienchronik" geworden, vermutet Thomas Poiss. Stattdessen hat die Autorin und studierte Physikerin eine "hoch verdichtete" Familiengeschichte geschrieben, die in 64 kurzen Szenen erzählt wird und die auf die "ewig alten" Kräfte von "Sexualität und Macht" in ihren verschiedenen Spielarten hinausläuft, erklärt der Rezensent. Ihn beeindruckt insbesondere die "teilnahmslose Psychologie", mit der Flor die jüngeren Mitglieder einer reichen Industriellenfamilie betrachtet, die vergeblich aus ihren engen Familienbanden auszubrechen suchen. Der Rezensent ist sich am Schluss sehr sicher, dass die "Kunst und der Ruhm" der Autorin weiter "wachsen" wird.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.08.2002

Talent ist durchaus vorhanden, befindet Paul Jandl nach der Lektüre dieses Debütromans. Die Autorin untersuche in ihrem episodisches Melodram in 64 "präzisen Bildern" und mit einer verknappten, "unterkühlten Sprache" die Umstände eines Unglücks. Und ganz zeitgemäß richte der Erlkönig des 21. Jahrhunderts, ein alternder Geschäftsmann und Patriarch, seine Verwüstungen im privaten Kreis an. Der Erlkönig ist in der realen Gegenwart angekommen, konstatiert Jandl. In einer düsteren Gegenwart: "Hoffnungslose Hausfrauen, gescheiterte Studenten und strebsame Töchter liefern einen Stoff, in dem die Familie nur ein Exempel des Unabänderlichen ist."
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