Die Verteidigungsfähigkeit wird zur "Kriegstüchtigkeit" umerklärt, die Bundeswehr mit 100 Milliarden Euro aufgerüstet, die Wiedereinführung der Wehrpflicht diskutiert: Die Zeichen stehen auf Mobilmachung, auch mental. Die Nation wird dabei zur großen Solidargemeinschaft verklärt, der ein jeder glücklich zu dienen hat. Und das nach Jahrzehnten der Entsolidarisierung, in denen die Verarmung breiter Bevölkerungsschichten von neoliberalen Politikern für alternativlos erklärt wurde.Ole Nymoen erhebt Einspruch: Die Behauptung, das Sicherheitsinteresse eines Staates falle notwendig mit dem seiner Untertanen zusammen, erscheint geradezu absurd. Immerhin sind es junge Männer wie er, die im Kriegsfall gezwungen sind, im Land zu bleiben und ihr Leben zu riskieren, ob sie wollen oder nicht. Ganz zu schweigen davon, dass der "Dienst an der Waffe" auch beinhaltet, mit dieser Waffe andere zu töten. Und wer bestimmt eigentlich über den "Waffengang"? Ist es wirklich der demos, das Volk? Nicht kämpfen zu wollen für einen Staat, das ist vor diesem Hintergrund mehr als nur eine individuelle Verweigerung - nämlich ein Akt der Humanität und des Protests für mehr kollektive Selbstbestimmung.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 05.04.2025
Insgesamt positiv bespricht Rezensent Constantin Hühn dieses Buch, in dem Ole Nymoen darstellt, warum er nicht bereit ist,sein Land mit der Waffe zu verteidigen. Nymoen argumentiert, dass dieses Land gar nicht seines ist, sondern den Reichen gehört und dass die sozialen Annehmlichkeiten, die es noch gibt, im Kriegsfall als erstes unter die Räder kommen würden. Kapitulation und ein Leben unter den Bedingungen der Unfreiheit wären einem Krieg vorzuziehen, glaubt der Autor. Unsolidarisch finde Nymoen eine solche Haltung auch nicht, der Staat setze sowieso nur seine eigenen Interessen durch und das Leben der Bürger sei ihm nur Material. Nicht allen Gedanken in diesem Buch mag der Rezensent folgen, unter anderem fragt er sich, ob Staaten wirklich nur Krieg bringen und nicht auch Frieden sichern. Aber als Gegengewicht zum aktuellen Aufrüstungsdiskurs findet er dieses Buch wichtig, weil es daran erinnert, was Krieg im Zweifelsfall anrichten würde.
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