Ole Nymoen, Wolfgang M. Schmitt

Die kleinen Holzdiebe und das Rätsel des Juggernaut

(Ab 10 Jahre)
Cover: Die kleinen Holzdiebe und das Rätsel des Juggernaut
Insel Verlag, Berlin 2024
ISBN 9783458644774
Gebunden, 268 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Mit Illustrationen von Nick-Martin Sternitzke. Die Geschwister Karl und Rosa führen ein einfaches Leben auf der Insel Feudalia. Sie helfen auf dem Hof ihrer Eltern, spielen im Wald und sammeln dabei das dringend benötigte Feuerholz für die Familie. Doch eines Morgens steht dort ein Schild: "Holz sammeln verboten. Holzdiebe werden bestraft." Und dieses Verbot ist nur der Anfang einer großen Veränderung, die das Leben der Geschwister völlig auf den Kopf stellt. Schon bald wird die Familie von ihrem Hof vertrieben. In der Stadt müssen die Eltern, wie die meisten Inselbewohner, nun in Fabriken arbeiten, die reiche Herren von der Nachbarinsel Capitalia eröffnet haben. Während Vater und Mutter mehr schuften als je zuvor, reicht das Geld kaum für die Wohnung und das Essen. Den Menschen auf Feudalia war Wohlstand für alle versprochen worden, aber das erfüllt sich nicht. Doch muss das eigentlich so sein? Warum haben die Arbeiter nichts vom erwirtschafteten Reichtum? Wieso ist der Wohlstand so ungleich verteilt? Auf der Suche nach Antworten stehen Karl und Rosa vor einem Rätsel - bis sie eine zündende Idee haben. Eine kämpferische Geschichte über Zusammenhalt und den Mut, gemeinsam etwas zu verändern.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.10.2024

Kritiker Jürgen Kaube weiß bei diesem "zugleich kindischen wie altklugen" Buch nur noch zu seufzen: Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt haben anhand der sehr durchschaubar Karl und Rosa genannten kindlichen Protagonisten versucht, ein marxistisches Kinderbuch zu schreiben, das aber weder seine eigene Theorie noch die zeithistorischen Umstände zu begreifen weiß. Kaube ärgert sich, dass in der Geschichte um die Inseln "Feudalia" und "Capitalia" und das Sägewerk, in dem die Eltern der beiden in einer Art Elendsgeschichte des Kapitalismus arbeiten müssen, ständig der Zeigefinger erhoben wird, ohne dass der Eindruck entsteht, die Autoren hätten die marxsche Theorie wirklich verstanden. Auch Talent zum Storytelling sucht der genervte Rezensent in dieser "faden Tugendfibel" vergeblich.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.09.2024

Ein Kinderbuch, das junge Leserinnen und Leser in die Kapitalismuskritik einführen soll - da ist Skepsis "natürlich" vorprogrammiert, auch bei Rezensent Thore Rausch, der einerseits erkennt: Kinderliteratur war wohl niemals frei von Ideologie. Andererseits erscheint ihm der "ideologische Überbau" dieser Abenteuergeschichte dann doch etwas arg. Unter diesem Überbau jedoch spielt sich die Geschichte von Karl und Rosa ab, deren Insel "Feudalia" von profitgierigen Kapitalisten heimgesucht wird, und die der Rezensent als durchaus gelungen empfindet. Wer von diversen Holzhammer-Botschaften und didaktischen Parforce-Ritten genervt ist, wird durch einige humorvolle Einfälle wieder versöhnt, lesen wir. Und auch die Illustrationen von Nick-Martin Sternitzke sind ein echtes Vergnügen. Dass nun in den Kinderzimmern die große Revolution gestartet wird, davor braucht sich niemand fürchten, beruhigt der Rezensent die besorgte bürgerliche Elternschaft.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 27.08.2024

"Abgrundtief bescheuert" findet Rezensent Alan Posener dieses Kinderbuch von Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt. In der Geschichte um die Geschwister Karl und Rosa wird das "Kommunistische Manifest" "kindgerecht verwurstet.", seufzt Posener. Die Familie der beiden wird von der kapitalistischen Nachbarinsel von ihrem Hof verdrängt und muss nun  diese anstatt für das eigene Auskommen arbeiten - zumindest, bis sie vom "großen Karl" erklärt bekommen, wie man sich wehrt, erfahren wir. Für Posener eine platt ideologische Geschichte, der er noch Fehler in der Marx-Rezeption nachweist und die zudem kein Kind wirklich wird begeistern können, ist er sicher.