Tagebuch einer Invasion
Gedichte

Carl Hanser Verlag, München 2025
ISBN
9783446284562
Gebunden, 120 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Aus dem Englischen von Matthias Kniep. Die ukrainische Dichterin Oksana Maksymchuk hat vor und während der russischen Invasion ein poetisches Tagebuch verfasst - es handelt von dem schauerlichen Alltag des Krieges. Sie mischt dabei Stimmen und Bilder - Erlebtes, soziale Medien, Nachrichten, Zeugenaussagen, Fotos, Drohnenvideos...
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (
Info)
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.11.2025
Die Frage, wie man (aus der Distanz) über den Krieg schreiben kann, beschäftigt viele ukrainische Autoren, so auch die jetzt in den USA lebende Oksana Maksymchuk, wie Rezensent Tobias Lehmkuhl festhält. Räumliche Nähe ist eigentlich auch nicht notwendig, um über Krieg und die Folgen zu schreiben, dennoch ist Lehmkuhl ein wenig irritiert, dass sich Maksymchuk in eine vergewaltigte Frau hineinversetzt, das wirke artifziell, meint er. Die übrigen Gedichte gefallen ihm aber. Sie sind konzentriert, berichten von Raketen, die auf Schulen fliegen oder von Erbsen, die unter den Schuhen zerplatzen wie "winzige Minen", erfahren wir. Auch die philosophische Ausbildung der Autorin merkt der Kritiker den Poemen an.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 05.11.2025
Ein eindringliches "Tagebuch einer Invasion" legt Oksana Maksymchuks mit ihren Gedichten vor, die den Alltag im Ausnahmezustand mit Nüchternheit, Pathosabwehr und schwarzem Humor fassen, lobt Rezensent Alexandru Bulucz. Die 1982 in der Ukraine geborene, seit 1997 in den USA lebende Lyrikerin schreibe auf Englisch über Kriegserfahrungen, oft mittels "indirekter Berichte" - Nachrichten, Drohnenbilder, Gespräche, erfahren wir. Immer gehe es um das Festhalten "gemeinsamer Erfahrungen" und um die Gefahr der Lüge: "Manche sagen, es sei niemals passiert". Der Kritiker staunt über die starken sprachlichen Bilder von Zerstörung. Trotzdem schwingt immer wieder Hoffnung mit, zum Beispiel in diesem lakonischen Bildgedicht: "Keine Brücke mehr jetzt / aber der Fluss / fließt wie zuvor". Trotz Trauer erkennt der Rezensent eine neue ukrainische Identität und "höchste Klarheit"" im poetischen Ausdruck, schließt die Kritikerin.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 08.09.2025
Oksana Maksymchuks neuer Gedichtband bewahrt die Leser davor, die schlimme Lage in der Ukraine zu vergessen, meint Rezensenten Jens Uthoff. Maksymchuk lebt abwechselnd in Lwiw, den USA und anderen europäischen Städten, erfahren wir, und zeigt uns die Alltäglichkeit des Krieges, in dem stetig "gelebte Menschen zusehen/wie ihre geliebten Menschen sterben". Vielleicht ist Lyrik eine besonders geeignete Gattung, um den Krieg zu fassen zu bekommen, überlegt Uthoff angesichts der chronologisch geordneten und 2021/22 beginnenden Verse, denn "vor allem anderen/ist die Welt zuerst ein Gedicht". Er lobt die Gedichte in Matthias Knieps gelungener Übersetzung auch deshalb, weil sie pathosfrei die ukrainische Realität einfangen.