Aus dem Polnischen von Renate Schmidgall. Was ist die Gegenwartslyrik? Tadeusz Dąbrowski vergleicht sie mit einer Fledermaus, die in Dachkammern wohnt, am Tag schläft und in der Nacht jagt. "Früher glaubte man, sie nähre / sich von Menschenblut, aber sie / ist mit einer Fliege zufrieden, / mit einem Maikäfer oder Falter." Die Dichtung muss sich in der Gegenwart also ihre Existenz und ihr Geheimnis selber erarbeiten. Witzig und klug, ironisch, philosophisch und immer überraschend betrachtet der junge Lyriker aus Polen die Welt. Und die Welt entdeckt diesen Dichter in der Übersetzung von Renate Schmidgall als einen ihr angemessenen Porträtisten.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 19.11.2014
Auf den Spuren von Tadeusz Rozewicz und Czeslaw Milosz sieht Nico Bleutge den Autor wandeln. Und durchaus geschickt. Die "Gedankenlyrik" von Tadeusz Dabrowski nämlich weiß um die Tücken der Tradition und um die Notwendigkeit, neben Kämmen, Insekten und dem Nachdenken über Gut und Böse auch die digitale Welt mit ins Wort einzubeziehen, damit es bricht. Mit ihren Paradoxien und kleinen Verschiebungen gehen Bleutge die Gedichte gut ins Ohr. Kostprobe: "das Wort entwischt wie eine Sprotte / und löst sich im Ozean auf." Vermisst hat er das reflexive Moment auf der Strukturebene der Texte. Die Position des Sprechers aus der Erstarrung zu lösen, gelingt dem Autor laut Bleutge leider nicht immer.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.10.2014
Tadeusz Dąbrowskis Gedichte gehören nicht zu jener Sorte, die man sich arbeitsam erschließen muss, ganz unmittelbar liefern sie "Nahrung fürs Herz", berichtet Tomasz Kurianowicz. In der Sammlung "Die Bäume spielen Wald" sind jetzt viele seiner bekanntesten und einige neue Gedichte dank der großartigen Übersetzung Renate Schmidgalls auf Deutsch nachzulesen, freut sich der Rezensent, der ihnen noch immer die typisch slawische Verbindung von Melancholie und Lebensbejahung anmerkt: "Was sonst / kann ich tun, ihn endlos umarmen, immer wieder sagen: / Ich liebe dich? Ich finde nicht. Also liege ich da und denke / an sein altes Herz und die abnehmende Zahl / der ihm zugedachten Schläge. So viel Liebe, und keine Ahnung / wohin damit.", zitiert Kurianowicz aus einem Gedicht über Dąbrowskis sterbenden Vater. Auch vor vorsichtigen Stellungnahmen zur Gegenwart schreckt der Dichter nicht zurück, auch wenn er sich damit bei seinen polnischen Kollegen angreifbar macht, weiß der Rezensent.
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