Oguz Atay

Die Haltlosen

Roman
Cover: Die Haltlosen
Binooki Verlag, Berlin 2016
ISBN 9783943562552
Gebunden, 1000 Seiten, 29,80 EUR

Klappentext

Aus dem Türkischen von Johannes Neuner. Der Roman markiert den Beginn einer neuen Epoche und wurde zum Opus Magnum der modernen türkischen Literatur. Kaum ein anderes Buch hat die türkischen Intellektuellen in den letzten 30 Jahren so beeinflusst. Der Roman ist vergleichbar mit "Ulysses" von James Joyce, ebenso trickreich, unterhaltsam, verschachtelt, avantgardistisch. Der "Haltlose" ist jemand, der sich selbst in Frage stellt, der nach dem Sinn des Lebens sucht, nach der Wahrheit, nach der Schönheit. Er ist Hamlet und Oblomov, aber auch Don Quichote und Jesus. Turgut Özben, ein junger Bauingenieur, verheiratet, zweifacher Vater, lebt in geordneten Verhältnissen. Er erfährt aus der Zeitung, dass sein ehemals bester Freund Selim Isik Selbstmord begangen hat. Diese Nachricht erschüttert ihn. Turgut sucht Selims Freunde auf, die sich in ganz verschiedenen Kreisen bewegen. Jeder zeichnet ein anderes Bild von Selim, dem "Haltlosen". Turgut unternimmt eine Reise ins Innere und Äußere. Fiktion und Realität verschmelzen miteinander.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.12.2016

Tilman Spreckelsen nennt Oguz Atays Roman von 1972 eines der wichtigsten Bücher der modernen türkischen Literatur. Dass das Buch erst jetzt bei uns erscheint, hängt für Spreckelsen mit den Schwierigkeiten der Sprache zusammen, die Johannes Neuner gut meistert, wie der Rezensent versichert. Abgründig findet Spreckelsen den Text, witzig und experimentierfreudig, obgleich er mit dem erzählerischen Konzept der Herausgeberfiktion erst einmal recht konventionell daherkommt. Atays kunstvoll arrangiertes Gespräch über einen und mit einem Toten verlangt dem Rezensenten zwar einiges an Mitarbeit ab, doch wie der Tote in der Rede und Gegenrede der beiden Freunde im Text wieder lebendig wird und die Identitäten schließlich teilweise verschwimmen, hat Spreckelsen fasziniert. Besonders stark ist Atay für ihn, wenn er Sprachstile kreuzt und gedanklich das Verhältnis von Individuum und Staat durchdringt.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.05.2016

Oguz Atays Roman "Die Haltlosen" ist ein Klassiker der türkischen Literatur, weiß Rezensent Tim Neshitov, Millionen Leser sind mit dem Helden Selim vertraut, den man sich als verlorenen Melancholiker vorstellen muss. Mit 28 Jahren nimmt er sich das Leben, sein Jugendfreund Turgut wird davon aus der Bahn geworfen und klammert sich an das Tagebuch des unglücklichen Selim. Auf über 700 Seiten erzählt Atays Roman von ihm, in einem postmodernem Textkonvolut aus Tagebucheinträgen, Bewusstseinsstrom, Gerichtsprotokollen und Gesang. Neshitov räumt ein, dass die etwas hölzerne deutsche Übersetzung nicht denselben Sog entfaltet wie das türkische Original, das "wie ein Kanu mit verstecktem Motor" funktionierte. Was den Roman selbst betrifft, hält sich der Rezensent mit einem eigenen Urteil zurück, erklärt jedoch die Attraktivität des Selim Isik mit seiner sympathischen "Selimität", mit seiner Überforderung und Unangepasstheit, die ihn menschlicher mache als die erfolgreichen Macher und Genießer.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de
Mehr Bücher aus dem Themengebiet