Nuruddin Farah

Links

Roman
Cover: Links
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2005
ISBN 9783518417232
Gebunden, 368 Seiten, 24,80 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von A. Tanner. Zwanzig Jahre hat der in Somalia geborene Jeebleh in New York im Exil gelebt - jetzt, nach dem Tod seiner Mutter, kehrt er erstmals in seine Heimat zurück. Er möchte die Schulden seiner Mutter begleichen, ihr Grab besuchen und "Frieden mit ihrem Geist schließen". Was er bei seiner Ankunft in Mogadischu vorfindet, ist eine vom Bürgerkrieg zerrüttete und korrumpierte Stadt. Kaum hat er seinen ehemals besten Freund Bile wiedergetroffen, erfährt er, dass dessen kleine Nichte entführt wurde - vermutlich von Biles Halbbruder, der schon immer als grausam und gewalttätig galt und inzwischen einer der führenden Kriegsherren der Stadt ist. Jeebleh ist entschlossen, seinem Freund zu helfen...

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.02.2006

Schwarzweißmalerei wirft Angela Schader Nuruddin Farah vor " und die betreibe er in seinem neuen Roman "Links" nicht einmal auf hohem Niveau, trotz aller Dante-Anspielungen. Die Enttäuschung der Rezensentin ist aus jedem Halbsatz noch herauszuhören. Dabei konstatiert sie durchaus "ein großes thematisches und literarisches Potenzial", immerhin gehört Farah zum Kreis der Anwärter auf den Nobelpreis. Aus dieser Liga dürfte er sich mit seinem neuen Werk, das eine in "Blutsbanden verhedderte" Familiengeschichte aus Somalia erzählt, jedoch eher herausschreiben, unkt Schader. Im zweiten Teil des Romans verlaufen alle Ansätze einer Story endgültig im Sande. Farah hätte nach Ansicht der Rezensentin doch lieber einen Essay oder eine Reportage verfassen sollen. Denn "einprägsame Momente" aus dem vom Bürgerkrieg zerrissenen somalischen Alltag finden sich in dem Buch. Am Ende traut Schader dem Autor nicht einmal mehr zu, dass die "triefende Ironie" des Schlusses mit seiner "so billigen wie fragwürdigen Moral" wirklich beabsichtigt war.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.11.2005

In "Links" spitze Nuruddin Farah die Auseinandersetzung mit seiner Heimat Somalia noch einmal zu, berichtet Rezensent Hans-Peter Kunisch. Mit dem Ich-Erzähler Jeebleh, der nach 20 Jahren aus den USA nach Somalia zurückkehre, lasse der Autor "westliche Humanitätsvorstellungen" auf apokalyptische afrikanische Zustände treffen. Schon am Flughafen werde er von einem Leichenserviceunternehmer abgeholt, der früher mal für die UNO gearbeitet hatte und nun Organhandel betreibe. Der Titel "Links" sei im übrigen ein englischer Titel und bezeichne die Clanbeziehungen, die das Überleben im Somalia nach dem Bürgerkrieg gleichzeitig regeln und bedrohen. In seinen Stadt-Schilderungen, so der Rezensent, stelle der Autor erneut seine "souveräne und phantasievoll-direkte Sprache" unter Beweis. Allerdings kämen manch didaktische Dialoge wie "Lastesel der Belehrung dahergehumpelt", kritisiert Kunisch und fragt sich zugleich, ob für "unfreie Gesellschaften" nicht solche unverblümte Kritik und Information angemessen sei. Genauso wie der insgesamt ins Groteske gesteigerte "magische Realismus" des ganzen Romans.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 12.11.2005

Ilja Braun stellt fest, dass der neue Roman Nuruddin Farahs bei allen beschriebenen Gräueln letztlich doch ein optimistischer ist. Ein Exil-Somalier kommt zurück in seine alte Heimat, um das Grab seiner Mutter zu besuchen, und das mit dem festen Vorsatz, sich aus allem anderen herauszuhalten. Doch als aus dem Kinderheim eines Freundes ein Mädchen mit der Gabe, jeden in ihrer Nähe vor den Bürgerkriegszuständen zu schützen, entführt wird, macht er sich auf die Suche und findet es schließlich. Das Kind, so der Rezensent, ist der "Prototyp des selbstverantwortlichen Subjekts", das sich in seinem Verhalten nicht hinter dem familiären Gruppenzwang versteckt. Aus diesem Verständnis heraus entstehe sei der Roman auch als optimistisch zu beurteilen, denn schließlich sei es ebenjenes Kind, das um sich herum den Frieden verbreite und das am Ende gerettet werde.
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