Norbert Zähringer

Wo wir waren

Roman
Cover: Wo wir waren
Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2019
ISBN 9783498076696
Gebunden, 512 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

In der Nacht vom 20. auf den 21. Juli 1969 betritt Neil Armstrong als erster Mensch den Mond. Abermillionen verfolgen auf der Erde die Fernsehübertragung. Das machen sich einige zunutze. Martha Rohn etwa, eine Mörderin, entkommt in jener fernsehstillen Nacht aus dem Frauenzuchthaus, und - Zufall oder nicht - ihr fünfjähriger Sohn Hardy flieht aus dem Kinderheim, in das er als vermeintliches Waisenkind "Nummer 13" nach ihrer Verurteilung gesteckt wurde. Er weiß ja gar nichts über sie, weiß nicht einmal, dass sie noch lebt. Ein Ehepaar nimmt sich seiner an, bietet ihm ein Zuhause in einer Siedlung am Kahlen Hang, im Rheingau. Da träumt er davon, eines Tages Astronaut zu werden, und tatsächlich - Jahre später, in Amerika, ist die Verwirklichung des Kindheitstraums zum Greifen nah. "Wo wir waren" ist ein breit gefächerter, ein gesamtes Jahrhundert umspannender Roman einer zerrissenen Familie, ein Riesentableau, das Zeiten, Länder, Geschichtliches und vor allem eine Vielzahl von Schicksalen verschränkt. Ein Roman über das Flüchten und Auf-der-Flucht-Sein, über Heimat und Fremde, Zufall und Verwandlung und immer wieder die Frage: Wo waren wir, und wo werden wir einmal sein?

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.07.2019

Rezensent Burkhard Müller geht hart ins Gericht mit dem neuen Roman von Norbert Zähringer: Er liest hier die Geschichte des Waisenjungen Hardy - laut Kritiker immerhin ein Held wie von Charles Dickens ersonnen -, der in den Siebzigern im Rheinland aufwächst, von einem Ludwig-Erhard-Wiedergänger adoptiert wird, bald im Silicon Valley landet und als gelangweilter, millionenschwerer Rentner von Mitte dreißig auf seine Jugendliebe aus dem Waisenhaus trifft. Dass der Autor seine an der Kitschgrenze schlingernde Story, in deren Mittelpunkt die Mondlandung 1969 steht, mittels Seitensträngen zum Jahrhundertroman aufbläht, Ersten und Zweiten Weltkrieg ebenso einflicht wie Vietnamkrieg und 11. September 2001, dabei zunehmend den Faden verliert und auch sprachlich mitunter danebenhaut, macht es für den Kritiker nicht besser.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 04.05.2019

Norbert Zähringers Roman hat Richard Kämmerlings schwer beschäftigt. Den Impuls des Autors, mit der Erzählung von allerhand fein verzahnten, kompositorisch meisterlich ausgearbeiteten Flucht- und Ausstiegsgeschichten dem bedrückenden Realismus des 20. Jahrhunderts mit Krieg und Nazis, Vertreibung und Vietnam und New Economy zu entfliehen, kann er gut nachvollziehen. Leider überfrachtet der Autor seinen Text laut Kämmerlings etwas arg, und die "stoffliche Beliebigkeit" der nach Art des Detektivromans konstruierten Geschichte erschwert dem Rezensenten die Lektüre insgesamt doch sehr.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.04.2019

Rezensent Jochen Hieber vermisst die essentielle Notwendigkeit in Norbert Zähringers fünftem Roman. Zwar gefällt ihm gut, wie der Autor jenseits seiner eigenen Biografie und mit vielen literarischen Bezügen Weltereignisse raffiniert mit Individualgeschichte verknüpft und einen weiten Bogen spannt, zeitlich und räumlich, doch kann Zähringer ihn mit seinem Helden, einem Waisenjungen, der es vom Rheingau bis ins Silicon Valley schafft, nicht wirklich überzeugen. Der Figur und dem Geschehen mangelt es laut Hieber allzu oft an Plausibilität. Gefällige Lektüre bietet "Wo wir waren" dem Rezensenten aber dennoch.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 15.04.2019

Jörg Magenau ist überwältigt von diesem großen Leseabenteuer, das ihm der Schriftsteller Martin Zähringer bereitet. Dass so viel Welt in einen Roman passt, hätte Magenau gar nicht gedacht: Wenn Zähringer die Geschichte des deutschen Waisenjungen Hardy erzählt, der es in einem kometenhaften Aufstieg zum superreichen Internet-Giganten schafft, schlägt einen großen Bogen über Kontinente und Jahrhunderte hinweg. Auf der Suche nach der Essenz des Lebens galoppiert Magenau mit Zähringer durch den Ersten und Zweiten Weltkrieg, durch Flucht und Vertreibung, Vietnamkrieg und Mondlandung. Magenau erkennt hier deutlich Michael Ondaatje, Thomas Pynchon und "Apokalypse Now" als Referenzpunkte intelligenter Unterhaltungsliteratur. Und auch wenn Zähringer in seinen Augen nicht unbedingt durch stilistische Brillanz glänze, so doch durch eine "federleichte Eleganz".