Karin Peschka

Dschomba

Roman
Cover: Dschomba
Otto Müller Verlag, Salzburg 2023
ISBN 9783701313037
Gebunden, 378 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Ein halbnackter Fremder tanzt zwischen den Gräbern des Eferdinger Pfarrfriedhofs. Es ist November 1954, ein nasskalter Tag, und Dragan Džomba ist auf der Suche. Vor dem Friedhofstor stehen die Bürger - aufgebracht, misstrauisch, neugierig. Nur der Dechant nähert sich dem Serben und gibt ihm schließlich Quartier im Pfarrhof. Dragan spricht nicht viel, immer wieder zieht es ihn hinaus zum Lagerfriedhof nahe der Donau. Dort, wo es kaum Spuren der Vergangenheit gibt, sucht Dragan aber genau diese. Er bezieht die Hütte auf dem "Serbenfriedhof", schließt Freundschaften, erlebt Anfeindung und Argwohn. Jahre später, alt geworden, sitzt er im Gasthof "Zum roten Krebs" am Stammtisch. Dem Fremden bleibt das Fremde haften, das Seltsame. Ab und zu stellt ihm die zehnjährige Wirtstochter ein Bier hin. Sie ist in ihren Tagträumen daheim und fühlt eine Verbindung zu dem Mann, der nach Wald und Erde duftet, der vor ihr da war und weiß, welche Geschichte sich unter den Feldern verbirgt.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 04.08.2023

Ein wenig muss man sich wohl an Karin Peschkas spezielle Erzählweise gewöhnen, erklärt Rezensentin Katharina Herrmann. Wer sich diese Mühe macht, wird jedoch umso reicher belohnt - mit einem großartigen Roman über das große Schweigen. In "Dschomba" beginnt dieses große Schweigen zu bröckeln, als eines Tages ein Mann namens Dzomba auf dem alten sogenannten "Serbenfriedhof" auftaucht und zwischen den Gräbern zu tanzen beginnt. Er ist auf der Suche nach seinem Bruder, der hier vor vielen Jahren als Kriegsgefangener in einem Lager lebte, von dem heute niemand mehr spricht und an das nichts erinnert - außer eben seit neustem Dzomba, der Serbe, der sich, indem er alte Wunden aufreißt, so einige Feinde in der kleinen oberösterreichischen Stadt macht. Gewöhnungsbedürftig an diesem Roman ist vor allem die Sprache, lesen wir. Es ist ein rauer, ein "karger" Ton, dessen sich die Autorin bedient, mit vielen mundartlichen Anteilen. Vor allem aber lässt Peschka ihre Sätze immer wieder im Nichts verlaufen, die Sprache "bricht ab" oder lässt Lücken, um Verdrängtes und manchmal gänzlich Unsagbares zu markieren - ein Konzept, das aufgeht, wie die Rezensentin findet. Hier wird tatsächlich das Schweigen in Worte gefasst, so Herrmann.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 07.07.2023

Rezensent Christoph Schröder scheint überzeugt von Karin Peschkas Roman mit seinen zwei Zeitebenen, die die Autorin laut Rezensent gekonnt ineinander übergehen lässt. Nur auf den ersten Blick handelt es sich für Schröder um eine typisch österreichische Dorf- und Wirtshausgeschichte in der Gemeinde Eferding der 1950er. Auf den zweiten entwickelt der Text mit grimmigem Humor, sprachlich anspruchsvoll und alles andere als trocken dokumentarisch die bis ins Jahr 1915 zurückreichenden Tiefenschichten, in denen das Kriegsgefangenenlager Aschbach, seine 5300 Toten und die beharrliche historische Blindheit der Dörfler die Hauptrolle spielen, erklärt Schröder.

Beliebte Bücher

Shida Bazyar. Die Lücken - Roman. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Shida Bazyar: Die Lücken
Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre…
Dana Vowinckel. Anton und Alma - Roman. Suhrkamp Verlag, Berlin, 2026.Dana Vowinckel: Anton und Alma
Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…
Eva Menasse. Alleinruhelage - Roman. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Eva Menasse: Alleinruhelage
Nach dem Ende der Ehe steht eine Frau mit ihrem Wochenendhaus plötzlich allein da. Hier hat sie einst mit der Familie die Idylle gesucht und will nun den Neuanfang wagen.…
Dörte Hansen. Broder - Roman. Penguin Verlag, München, 2026.Dörte Hansen: Broder
"Es zählt nur einer auf dem Hof, das ist der Sohn, der bleibt. Aber die anderen, die übrig sind, die zweiten, dritten, vierten Söhne und die Töchter, die nicht zählen, bleiben…